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Carl Maria von, dt. Komponist, * 18. oder 19. 11. 1786 Eutin, Holstein, † 5. 6. 1826 London; Schüler M. Haydns u. Abbé Voglers ; gab im Alter von elf Jahren sein erstes Werk heraus (sechs Fughetten); verschiedene Kapellmeisterstellen, 1804 Theaterkapellmeister in Breslau, 1806 Musikintendant in Carlsruhe in Oberschlesien, 1813-1816 Operndirektor in Prag, danach königl. Kapellmeister in Dresden. Webers Bedeutung liegt in der Begründung der romant. volkstüml. dt. Nationaloper (märchenhafte Stoffe, folklorist. Kolorit, stimmungsvolle neue Klangcharaktere). Sein bekanntestes Werk "Der Freischütz" 1821 ist wichtigstes Bindeglied zwischen dem dt. Singspiel u. der dt. Oper der 2. Hälfte des 19. Jh. Weitere Opern: "Abu Hassan" 1811; "Preziosa" 1821; "Euryanthe" 1823; "Oberon" 1826; ein Klarinettenquintett, mehrere Konzerte u. Konzertstücke, Ouvertüren, zwei Sinfonien, Kirchenmusik, Chorwerke, Lieder u. viele Klavierstücke.
Konzert f. Klarinette/Orchester Nr. 1 f-moll op. 73
Der Freischütz, Romantische Oper in drei Aufzügen
Die Ouvertüre

Carl Maria von Weber (1786-1826), Gemälde von Sir Thomas Lawrence, 1824. Bayonne, Museum Bonnat © aisa, Barcelona
Libretto: Friedrich Kind (1768-1843) nach der Erzählung "Der Freischütz" aus dem "Gespensterbuch" von Johann August Apel und Friedrich Laun und der auf einer Volkssage basierenden romantischen Tragödie "Der Freischütze" von Franz Xaver von Caspar
Uraufführung: 18. Juni 1821 Königliches Schauspielhaus, Berlin
Spieldauer: 3 Stunden
Ort und Zeit: Böhmen, kurz nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges Personen: Ottokar (böhmischer Fürst), Bariton; Kuno (fürstlicher Erbförster), Bass; Agathe (seine Tochter), Sopran; Ännchen (eine junge Verwandte), Sopran; Kaspar und Max (zwei Jägerburschen), Bass und Tenor; ein Eremit, Bass; Kilian (ein reicher Bauer), Bariton; vier Brautjungfern, Sopran; drei fürstliche Jäger, Sprechrollen sowie Jäger, Gefolge des Fürsten, Landleute, Musikanten, Brautjungfern, Schenkmädchen, Erscheinungen
Handlung
1. Aufzug
Vor einer Waldschenke sitzt Max allein vor einem Krug Bier. Da ertönt aus der Ferne ein Schuss: der Bauer Kilian ist durch einen Meistertreffer Schützenkönig geworden und wird nun von den Landleuten in einem Jubelchor gefeiert. Max stimmt als Einziger nicht in diesen Festgesang mit ein und muss sich von den Anderen verspotten lassen ("Schau der Herr mich an als König!"). Als Kuno, Max' Dienstherr, in der Runde erscheint, weist er die Feiernden zurecht und versucht seinen Jägerburschen vor den Angriffen der Menge zu schützen. Nachdem er jedoch erfahren hat, dass Max als sozusagen Berufsschütze gegen den Amateur Kilian verloren hat, findet auch Kuno nur tadelnde Worte für seinen unfähigen Jägersmann. Dementsprechend schlecht sind damit Max' Aussichten, am kommenden Tag durch den so genannten Probeschuss die Erbförsterei sowie die Hand von des Försters Tochter Agathe zu bekommen.
Einige der Anwesenden sind neugierig und wollen mehr über die Herkunft dieses Probeschuss-Brauches erfahren und so berichtet Förster Kuno von einem lange zurückliegenden Ereignis: Ein auf dem Rücken eines Hirschen angebundener Wilderer wurde durch den gezielten Schuss des fürstlichen Leibschützen Kuno, der den Hirschen sicher traf, den Wilderer jedoch verschonte, von seinem Los befreit. Der gewandte Schütze wurde für diesen Meisterschuss vom regierenden Fürsten mit der Erbförsterei belohnt. Doch Kuno hatte bald Neider, die dem Fürsten suggerierten, dass Kunos Meisterschuss kein Ergebnis von Können, sondern von Zauberei gewesen sei: eine so genannte Freikugel, deren Flugbahn man nicht beeinflussen kann, habe den Hirschen getroffen. Seither wurde der Probeschuss eingeführt.
Max ist angesichts der vor ihm liegenden Aufgabe verzagt, doch Kuno und die anderen Jäger sprechen ihm Mut zu. Kilian dagegen versucht ihn abzulenken und überredet ihn, mit in die Schenke zu kommen und sich mit Mädchen und Tanz abzulenken.
Zu später Stunde ist Max mit sich und seinen Ängsten allein, und wehmütig erinnert er sich in einer der bekanntesten Arien “Durch die Wälder, durch die Auen” an bessere vergangene Zeiten, in denen ihm das Jägerglück hold war. Während er zunehmend von Verzweiflung überwältigt wird, erscheint Kaspar und überredet Max gegen seinen Willen, den Kummer mit einem Becher Wein hinunterzuspülen. Doch Max ist der weinselige und jovial-derbe Verse singende Zechbruder zuwider und er versucht, ihn loszuwerden. Kaspar spielt nun seinen letzten Trumpf aus: Er drückt Max eine Flinte in die Hand und heißt ihn in den dämmerigen Abendhimmel nach einem Vogel zu zielen. Max, der den Kumpanen für verrückt hält, drückt eher unbeabsichtigt ab und trifft dabei einen großen Adler, der mit einem Meisterschuss getötet vor seinen Füßen landet.
Kaspar versucht Max nun einzureden, dass solche übernatürlichen Freikugeln nichts Besonderes seien, hat er doch seine einschlägigen diesbezüglichen Erfahrungen in dem gerade beendeten Krieg gesammelt. Zwar habe Max gerade die letzte dieser Freikugeln verschossen, doch biete sich zur gerade an diesem Abend stattfindenden Mondfinsternis die Gelegenheit, neue zu erhalten. Dazu solle sich Max um Mitternacht in der Wolfsschlucht einstellen; doch an diesen sagenumwobenen und verrufenen Ort will Max sich nicht wagen. Schließlich lässt er sich doch dazu überreden, ist jedoch bereits von dunklen Vorahnungen erfüllt.
2. Aufzug
Im Forsthaus, Vorabend des Hochzeitstages. Agathe wartet voller Unruhe auf Max, Ännchen versucht, ihr die trüben Gedanken zu verscheuchen und stimmt ein heiteres Lied an: Kommt ein schlanker Bursch gegangen... Agathe lässt sich vorübergehend ablenken, doch der morgendliche Besuch bei dem Eremiten hängt wie eine Drohung über ihr, hatte er sie doch vor einer unbekannten, großen Gefahr gewarnt. Nachdem in der Zwischenzeit das Bildnis des legendären Ahnherrn Kuno von der Wand gefallen und sie am Kopf verletzt hatte, glaubt sie, damit sei die Prophezeiung erfüllt.
Nachdem Ännchen zu Bett gegangen ist, wartet Agathe immer noch auf Max. Es ist inzwischen dunkel geworden und Agathe genießt dankbar die Schönheit der Natur in dieser sternenhellen Nacht. In stiller Andacht stimmt sie die schlichte volksliedhafte Arie Leise, leise, fromme Weise! an. Endlich erscheint Max, geschmückt mit einem Blumenstrauß am Hut, der ein gutes Omen für den nächsten Tag ist. Glücklich fallen sich die Beiden in die Arme. Doch Agathes Hoffnungen werden schnell getrübt: Zunächst erweist sich der vermeintliche Blumenstrauß nur als Federschmuck und außerdem ist Max denkbar schlechter Laune und will auch gleich wieder aufbrechen. Zum Beweis des sich gewendeten Schicksals zeigt er Agathe vorher noch die Feder des geschossenen Raubvogels und streift dabei ihre Stirn. Erst da entdeckt er ihre Verletzung und ist ahnungsvoll berührt, als er vernimmt, dass das Porträt von Kuno genau in dem Moment von der Wand gefallen ist, als er den Vogel schoss. Als Agathe vernimmt, dass Max in die Wolfsschlucht aufbrechen will, um angeblich einen erlegten Hirschen abzuholen, erschrickt sie zu Tode. Doch alle Versuche, ihn von dem Vorhaben abzubringen, fruchten nichts.
Die Wolfsschlucht. Inzwischen ist ein Gewitter im Anzug. Die ganze Szenerie hat etwas Unheimliches, zudem stimmen unsichtbare Wesen einen Geistergesang an: "... Eh noch wieder Abend graut ... ist sie tot, die zarte Braut!" Kaspar zelebriert währenddessen eine seltsame Zeremonie und ruft dabei Samiel, den Teufel, an. Als dieser erscheint, bietet Kaspar, dessen Seele bereits Samiel verpfändet ist und bereits am nächsten Tag dem Teufel gehört, einen Handel an: Wenn er, Kaspar, Samiel ein neues Opfer in der Gestalt des Max bringe, solle Samiel Kaspars Leben noch einmal um drei Jahre verlängern. Um dieses Ziel zu erreichen wird eine der sieben Freikugeln Max' Braut Agathe treffen, was diesen und vielleicht auch Agathes Vater in den Selbstmord treiben wird.
Nun wartet Kaspar ungeduldig auf sein Opfer Max. Da erscheint der sehnsüchtig Erwartete in der Schlucht. Max ist mehr als beklommen zumute, insbesondere, als ihm auf einem Felsen der Geist seiner Mutter erscheint. Doch als Max ein zweites Mal auf die Stelle schaut, hat sich der Geist in Agathes Gestalt verwandelt, die vom Wahnsinn getrieben sich in den Wasserfall zu stürzen droht. Max ist nun wild entschlossen, die Angelegenheit hinter sich zu bringen. Kaspar beginnt geheimnisvoll mit der an einen Hexenzauber erinnernden Zeremonie und ruft dazu Samiel als Beschützer an. Unter Blitz, Donner und allen Arten unheimlicher Naturerscheinungen schöpft er nach und nach sieben Kugeln aus einem seltsamen Gemisch, das über einem Feuer köchelt.
3. Aufzug
Am nächsten Tag im Wald. Nach der stürmischen Nacht herrscht herrliches Wetter und die Jäger versammeln sich zur Jagd. Max hat durch die Verwendung dreier seiner Wunderkugeln bereits für Aufsehen gesorgt, doch nun verfügt er - Kaspar hatte drei genommen und Max vier gegeben - nur noch über eine einzige. Daher will er eine weitere von Kaspar ergattern, doch dieser besitzt ebenfalls nur noch eine, nachdem er die zwei anderen auf Elstern abgeschossen hat. Max bleibt damit nur noch diese eine Kugel für seinen Probeschuss übrig.
Agathe macht sich inzwischen für die Hochzeit zurecht. Sie trägt bereits ihr weißes Brautkleid, ist jedoch immer voller dunkler Vorahnungen (Und ob die Wolke sie verhülle, die Sonne bleibt am Himmelszelt...). Ihren Trost findet sie in dieser Situation in dem Vertrauen auf Gott und legt ihr Schicksal in seine Hände. Ännchen, die auf eine traurige Agathe trifft, versucht, diese zu zerstreuen und muntert sie mit der fröhlichen Arie Trübe Augen, Liebchen, taugen einem holden Bräutchen nicht! auf. Da erzählt Agathe ihr von dem seltsamen nächtlichen Traum: sie sei eine weiße Taube gewesen, nach der Max geschossen habe. Doch Ännchen weiß auch diesmal wieder Trost und erzählt Agathe von einem ihrer eigenen unheimlichen Träume.
Ablenkung bedeuten da die Brautjungfern, die sich mit einem Lied auf den Lippen nähern: Wir winden dir den Jungfernkranz... Ännchen hat inzwischen den Kranz geholt und ist dabei über das Bildnis Kunos gestolpert, das zum zweiten Mal von der Wand gefallen ist. Agathe ist nun noch mehr beunruhigt, doch Ännchen versucht wieder, die ganze Angelegenheit herunterzuspielen. Als sie nun aber den Jungfernkranz aus der Schachtel nehmen will, erschrickt auch sie: es ist kein grüner Brautkranz, sondern ein silberner Totenkranz. Ännchen verflucht die Verkäuferin, die wahrscheinlich zwei Schachteln miteinander vertauscht hat. Agathe deutet auch dieses als Zeichen des Schicksals und bringt es in Verbindung mit den weißen Rosen, die ihr der Eremit geschenkt hatte. Nun windet sie diese zu einem Kranz und setzt ihn anstelle des Jungfernkranzes in ihr Haar.
In einer romantischen Umgebung ist die Jagdgesellschaft bei einem festlichen Bankett versammelt. Die Jäger stimmen in einem der bekanntesten Chöre der Opernliteratur, dem so genannten Jägerchor, ein Loblied auf ihren Berufsstand an: Was gleicht wohl auf Erden dem Jägervergnügen? Unter den Jägern weilt auch Fürst Ottokar, der nach erfolgreichem Probeschuss selbst die Erbförsterei an den neuen Besitzer übergeben will. Kuno informiert daraufhin Max, sich bereitzuhalten und der Fürst fordert Max zu seinem Probeschuss auf. Als dieser auf eine im Baum sitzende weiße Taube zielt, erscheint Agathe zwischen den Bäumen und schreit in Erinnerung ihres nächtlichen Traums : "Schieß nicht! Ich bin die Taube!" Natürlich verfehlt Max damit den Vogel, trifft dafür jedoch die eigene Braut und Kaspar. Doch Agathe ist von dem hinter ihr stehenden Eremiten aufgefangen worden, ist lediglich in Ohnmacht gesunken und hat so überlebt, Kaspar jedoch ist endgültig von Samiel geholt worden. Während er stirbt, verflucht der den Himmel und versetzt so die Anwesenden in Grauen.
Fürst Ottokar verlangt nun von Max Aufklärung über die seltsamen Vorgänge. Nachdem dieser ihm alles gebeichtet hat, verbannt er ihn aus seinem Gebiet und löst gleichzeitig die Verlobung mit Agathe auf. Alle Anwesenden versuchen den Fürsten umzustimmen und zählen Max' bisher tugendhaftes und vorbildliches Leben auf, doch der Fürst bleibt hart. Da tritt unvermittelt der Eremit hinzu und tadelt die strenge Entscheiduung. In Ehrfurcht vor dem weisen Mann verspricht der Fürst, sich dessen Urteil zu beugen. Der Eremit betrachtet die Angelegenheit unter einem völlig anderen Blickwinkel: für ihn ist der Brauch des Probeschusses eine unehrenhafte Prüfung. Er fordert daher, denselben endgültig abzuschaffen und gleichzeitig Max ein Probejahr zu gewähren, nach dessen Ablauf er bei guter Führung schließlich seine Agathe heiraten dürfe. Die Oper endet mit einem Tribut aller Anwesenden an Gott: "Ja, lasst uns die Blicke erheben und fest auf die Lenkung des Ewigen baun, ... Wer rein ist von Herzen und schuldlos im Leben, darf kindlich der Milde des Vaters vertraun!"
Entstehungsgeschichte
Sech s farbig e Zeich nung en aus dem 1882 verleg ten Werk "Oper n-Typ en" des Berlin er Musi kfreundes und Zeichners Gustav Kölle zu Webers "Freischütz", deren ironische Details den Berliner Humor des Zeichners wiederspiegeln.
© wissen media Verlag GmbH, Gütersloh
1810 trifft Carl Maria von Weber erstmals auf das Gespensterbuch von Apel und Laun und ist sofort fasziniert von der darin enthaltenen Erzählung "Der Freischütz", zu der er bereits erste Skizzen für eine Oper entwirft. Doch erst sieben Jahre später sollte sich das Projekt durch die Zusammenarbeit mit Friedrich Kind konkretisieren. Beide machen sich mit Feuereifer an die Arbeit. Das Werk gedeiht zunächst unter dem Titel "Der Probeschuss", wird dann in "Die Jägersbraut" verändert, bevor sich der endgültige Titel durchsetzte.
Entscheidenden Einfluss auf die Endfassung des Librettos nimmt in der Schlussphase der Arbeit eine außenstehende Person. Diese Person ist Caroline Brandt, Webers Verlobte, die mit sicherem Instinkt erkennt, dass die ursprünglich langwierige Einleitung mit dem in zwei Szenen geschilderten Besuch Agathes bei dem Eremiten nicht zündend genug wäre und dass die Oper statt dessen mit einer lebendigen Volksszene beginnen solle. Weber setzte sich mit dieser Fassung gegen den widerwillig zustimmenden Friedrich Kind durch.
Die Oper wird am 18. Juni 1821 in Berlin mit großem Erfolg uraufgeführt. Dieser unmittelbare Erfolg liegt nicht zuletzt in dem Zeitgeist begründet, der für Geister- und Schauergeschichten jeglicher Art empfänglich ist. Gleichzeitig verhilft Weber damit der deutschen Oper nach der jahrzehntelangen Vorherrschaft der italienischen Oper und insbesondere der Rossini-Ära zu einem eigenen Stellenwert und begründet mit diesem Werk die deutsche Sonderform der Romantischen Oper.
Webers Musik zu diesem Werk setzt neue Maßstäbe und verwendet Töne und Klangfarben zur akustischen Veranschaulichung von sowohl äußeren Vorgängen als auch inneren Konflikten sowie Stimmungsbildern und Landschaftsbeschreibungen
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