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Nachtflug
Eine moralische Rechtfertigung eines schrecklichen Angriffs
Auf einem Flughafen, nahe der großen Stadt Nawarte, standen die Piloten im Aufenthaltsraum herum und warteten auf den Befehl, der sie zu ihren Flugzeugen bringen sollte.
Es war Abenddämmerung, feuchter Nebel kroch aus den Ritzen der Erde und verschleierte die Dämmerung mit seinem weißen Dunst. Sie sogen hastig an ihren Zigaretten und sprachen wenig zueinander.
Als die Stimme im Lautsprecher den Einsatzbefehl gab, begannen sie sich erleichtert auf den Weg zu ihren Maschinen zu machen, die bereits auf den Abflug vorbereitet waren.
Klaus Schmid bestieg seine Maschine, die ihn silbern begrüßte. Als er sich in sie hineinsetzte, spürte er ihre Macht, ihren Tod den sie geladen hatte und ihre Bereitschaft seinem Wort zu folgen.
Etwas von der Macht ging auf ihn über. Eine große Kraft und Ruhe überkam ihn und er empfing ein stärkendes Gefühl.
Als die elektronischen Instrumente mit leisen Piepsen ihre Einwilligung zum Flug gaben, startete er die Maschine, die sehr schnell beschleunigte und sich mit lautem Gedröhn in die Luft erhob.
Der Himmel war klar und die Sterne funkelten durchs Cockpit seines Flugzeuges. Er steuerte auf sein Ziel zu und schaltete die Abwehr und Kampfbereitschaft seines Flugzeuges ein.
Von unten näherten sich jetzt abwechselnd Lichter, mit dunklen Flecken dazwischen. Er wurde jetzt gespannt und aufmerksam, betrachtete die bunten Bewegungen seiner Instrumente und wartete auf den Befehl seines Computers zum Feuern.
"Jetzt", sagte der Computer plötzlich metallisch.
Klaus drückte den Feuerknopf. Etwas zischte und schoß nach unten. Kurz danach sah er einen Feuerball auf der Erde. Geschickt steuerte der Computer die Maschine zwischen den von unten aufflackernden Blitzen hin und her und manchmal sauste etwas an ihm fauchend vorbei.
Es wurde ihm bewußt:, daß er tötete und mit dem Tod spielte. Weiter ging seine Höllenreise. Mann und Maschine waren eine Einheit, ganz in ihre Abläufe miteinander verschlungen.
Plötzlich tauchte ein Gedanke des Zweifels in ihm auf und ließ ihn einen Moment zögern. Eine leise Stimme erhob sich in ihm und sagte: "Du bekämpfst die Gemeinheit, die Unmenschlichkeit, die Grausamkeit, - wie gut das tut. Könnte die Souveränität eines Staates dazu berechtigt sein, unter ihrem Vorwand die Menschlichkeit mit Füßen zu treten? Wie lächerlich! Das hieße den Nazistaat zu legitimieren. Die Menschlichkeit ist größer als Freiheit und Souveränität einer Nation, denn sie ist Gott in uns; sündigen wir gegen diese, sündigen wir auch gegen Gott. Wenn die Nation das Recht, durch die Unmenschlichkeit ihrer Taten auf eigene Freiheit verliert, haben wir keinen Anspruch mehr darauf. Tod dem Tode. Gott erlaubt uns nur so lange frei zu sein, wie wir seinem Gesetz folgen."
Ein warmes Gefühl stieg aus seiner Brust bei diesen Gedanken und verursachte ihm eine Gänsehaut, und als der Computer sagte: Jetzt, drückte er voll tiefer Freude auf den Feuerknopf, seines Auftrags gewiß.
Es war Gott der Jetzt sagte, es war der Donar unserer Vorväter und er, er wußte jetzt, - er war der Hammer.
R. Helmecke
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