|
Richard Wagner
Vollständiger Name: Wilhelm Richard Wagner, deutscher Komponist, geboren am 22. Mai 1813 in Leipzig, gestorben am 13. Februar 1883 in Venedig. Richard Wagner liegt neben der Villa Wahnfried in Bayreuth begraben.
Lebenslauf
|

|
|
Richard Wagner (1813-1883)
|
|
© aisa, Barcelona
|
|
Richard Wagner wuchs zuerst in Dresden auf und ging ab 1828 als Schüler ans Leipziger Nicolai-Gymnasium. Musikalisch wurde Wagner vom Gewandhausgeiger Christian Gottlieb Müller und vom Thomaskantor Theodor Weinlig ausgebildet. In den Jahren von 1833 bis 1839 arbeitete Wagner an verschiedenen Opernhäusern, u. a. in Würzburg, Magdeburg, Königsberg und Riga. 1836 heiratete er in Königsberg die Schauspielerin Minna Planer. 1839 floh er hoch verschuldet aus Riga über London nach Paris, wo er sich einige Jahre mühsam durchschlug, u. a. mit Musikererzählungen (Ein Ende in Paris, 1841; Eine Pilgerfahrt zu Beethoven, 1841). Wagner lebte bis April 1842 in Paris.
In diesen Jahren schrieb Wagner seine ersten Orchesterwerke und Opern, u. a. Die Feen (1834), Das Liebesverbot (1836) und Rienzi (1840). Nach dem Uraufführungserfolg seiner Oper Rienzi am 20. Oktober 1842 in Dresden berief man ihn 1843 zum Hofkapellmeister in dieser Stadt. Am 2. Januar 1843 feierte Wagner eine triumphale Uraufführung seiner Oper Der fliegende Holländer. Die folgende Oper Tannhäuser (Uraufführung am 19. Oktober 1845 in Dresden) wurde wegen ihrer extremen Neuerungen (Leitmotivtechnik, Auflösung der Nummernfolge, Überlänge) vom Publikum stark kritisiert. Als Reaktion auf diese Kritik lehnte das Opernhaus die folgende Wagner-Oper Lohengrin 1848 ab. Nur mit Hilfe von Wagners (späterem) Schwiegervater Franz Liszt kam es zur Uraufführung dieser Oper in Weimar am 28. August 1850.
Exil und Freundschaft mit Ludwig II
1848 beteiligte sich Wagner an der Mai-Revolution, wurde steckbrieflich gesucht und floh zuerst nach Weimar zu Liszt, dann jedoch nach Zürich, wo er bis 1858 blieb. In Zürich begann er mit der Arbeit am Ring des Nibelungen (Rheingold 1853/54, Walküre 1856). In Zürich wurde Wagner und seiner Ehefrau vom Ehepaar Otto und Mathilde Wesendonck ab 1857 Asyl gewährt; die Liebschaft zwischen Wagner und Frau Wesendonck führte zu massiven Spannungen, Wagner musste Zürich verlassen.
Aufgrund der Teilamnestie 1860 konnte Wagner nach Deutschland zurückkehren. 1864 lernte er den bayerischen König Ludwig II. kennen, der ihn in Zukunft finanziell unterstützte und nach München berief. Die Uraufführung von Tristan und Isolde (1857-1859) fand am 10. Juni 1865 in München statt, ebenso die Uraufführungen der Meistersinger von Nürnberg (1867) am 21. Juni 1868 und der Opern Rheingold (1869) und Walküre (1870). 1866 starb Wagners erste Ehefrau; am 25. August 1870 heiratete er Cosima von Bülow, die Tochter von Franz Liszt und Gräfin Marie d'Agoult und Ex-Ehefrau des Dirigenten Hans von Bülow. In den Jahren 1869-1872 entwickelte sich eine enge Freundschaft zwischen Wagner und Friedrich Nietzsche.
Die Zeit in Bayreuth
|
|
|
Besucher der Bayreuther Festpiele (Bayreuth, um 1900)
|
|
© Corbis-Bettmann, New York
|
|
Nachdem der Bau eines neuen Opernhauses in München gescheitert war, ermöglichte Ludwig II. den Bau des Festspielhauses in Bayreuth. 1872 zog Wagner nach Bayreuth und legte den Grundstein des Opernhauses, das mit der Uraufführung des Rings des Nibelungen (13. bis 17. August 1876) eröffnet wurde. Seit 1877 schrieb Wagner an seiner letzten Oper Parsifal, die am 26. Juli 1882 uraufgeführt wurde. 1882 reiste Wagner nach Venedig, wo er am 13. Februar 1883 im Palazzo Vendramin starb. Am 18. Februar 1883 wurde er in Bayreuth neben der Villa Wahnfried beigesetzt.
Musikalische Bedeutung
Wagner verwirklichte als Komponist, Dramatiker, Theoretiker, Dirigent und Regisseur den romantischen Gedanken eines "Gesamtkunstwerks", bei dem alle Bühnenkünste zu einer Einheit verschmolzen werden (formuliert in seiner Schrift Oper und Drama, 1850/51). Aus dieser Idee heraus schrieb Wagner sämtliche Libretti (Textbücher) zu seinen Opern selbst. Die Form der Oper entwickelte Wagner weiter zum Musikdrama, indem er die Nummernabfolge (Arie, Duett, Terzett, Ensemble, Chor usw.) ablöste und durch einen durchkomponierten leitmotivisch gestalteten Ablauf ersetzte. An die Stelle der traditionell überwiegenden Homophonie tritt eine polyphone Verarbeitung des musikalischen Materials; folgerichtig findet sich der Schwerpunkt des musikalischen Geschehens im Orchester. Das Leitmotiv übernimmt dabei die Funktion der Wiedererkennbarkeit einer Figur und ermöglicht eine ständige thematische Entwicklung. Durch harmonische und chromatische Stimmführung trieb Wagner die Tonalität bis zu ihrer Auflösung; hier knüpft die Neue Musik ab 1900 an.
Die Kompositionen Wagners und ihre Inszenierungen sind seit ihrer Entstehung stark ideologisiert. Ursache hierfür ist u.a. die politische, mythologische und antisemitische Haltung Wagners, wie sie in seinem Pamphlet Das Judenthum in der Musik (1850) deutlich wird. (Die Werke Wagners waren daher bis zum Jahr 2000 in Israel verpönt und verboten.) Die pompösen Inszenierungen in Bayreuth, die politische Haltung Cosima Wagners und ihre Nähe zu Adolf Hitler sowie die deutschtümelnde Thematik von Wagners Opern trugen stark zur ideologischen Vereinnahmung von Wagners Werk durch die Nationalsozialisten bei. Die emotional rücksichtslose Haltung des Komponisten gegenüber seiner Familie und seinen Förderern tat ein Übriges. Eine Reduktion der Wagner-Rezeption auf die rein musikalischen Qualitäten des Werks, auf positive Verbesserungen und negative Auswüchse, erscheint daher dringend angebracht.
Im Bayreuther Festspielhaus werden alljährlich (Juli bis August) die Wagner-Festspiele abgehalten; es kommen ausschließlich Wagner-Opern zur Aufführung. Die Leitung liegt bis heute ausschließlich in den Händen von Wagner-Nachfahren.
Das kompositorische Werk
|
|
|
Illustration zum Wagner Drama "Parsifal"; uraufgeführt in Bayreuth (1882)
|
|
© aisa, Barcelona
|
Die wichtigsten Bühnenwerke sind u. a.:
Die Feen (1833)
Rienzi, der letzte der Tribunen (1842)
Der fliegende Holländer (1843)
Tannhäuser und der Sängerkrieg auf der Wartburg (1845/61)
Lohengrin (1850)
Tristan und Isolde (1865)
Die Meistersinger von Nürnberg (1868)
Der Ring des Nibelungen (Bühnenfestspiel in drei Tagen und einem Vorabend: Das Rheingold, 1869; Die Walküre, 1870; Siegfried, 1876; Götterdämmerung, 1876)
Parsifal (Bühnenweihfestspiel, 1882)
Neben einigen Orchesterwerken (Ouvertüren, Symphonie C-Dur, 1832, Siegfried-Idyll, 1870) und Vokalwerken (Sieben Kompositionen zu Goethes Faust, 1832, ein Oratorium, 1843, fünf Gedichte von Mathilde Wesendonck für eine Frauenstimme, 1857/58) verfasste Wagner zahlreiche Schriften. Zu den wichtigsten Textpublikationen gehören neben sämtlichen Textbüchern seiner Opern u. a.:
Über deutsches Musikwesen (1840)
Ein deutscher Musiker in Paris (1840/41)
Das Kunstwerk der Zukunft (1849)
Das Judentum in der Musik (1850)
Eine Mitteilung an meine Freunde (1851)
Oper und Drama (1851)
Über Franz Liszts symphonische Dichtungen (1857)
Zukunftsmusik (1860)
Deutsche Kunst und Politik (1868)
Über das Dirigieren (1869)
Über die Anwendung der Musik auf das Drama (1879)
Religion und Kunst (1880)
Wagners Autobiographie Mein Leben (geschrieben 1865-1880) erschien zuerst 1911 in gekürzter Form; eine erste vollständige Ausgabe folgte 1963.
Bibliografie
Hans J. Bauer: Richard-Wagner-Lexikon, Bergisch Gladbach 1988 Carl Dahlhaus: Wagners Konzeption des musikalischen Dramas, Regensburg 1971 Martin Gregor-Dellin: Richard Wagner. Sein Leben - sein Werk - sein Jahrhundert, München 1999 Brockhaus-Riemann-Musiklexikon, Mainz und München 1979ff Die Musik in Geschichte und Gegenwart (MGG), Kassel und München 1989ff
|