Nicolò Paganini

Paganini

Niccolò, italien. Violinvirtuose u. Komponist, * 27. 10. 1782 Genua, gest. 27. 5. 1840 Nizza; unternahm sehr erfolgreiche Konzertreisen in ganz Europa; entwickelte äußerst artistische Spieltechniken für die Violine, denen meist mangelnde kompositor. Begründung, aber auch dämon. Wirkung nachgesagt wird. Kompositionen: 24 Capricci für Solo-Violine, deren Themen z. T. auch F. Liszt, R. Schumann, J. Brahms, S. Rachmaninow, B. Blacher u. a. verwandten; Violinkonzerte (bes. Es-Dur u. h-Moll); Variationen (vor allem "Karneval in Venedig"). - Titelfigur einer Operette von F. Lehár (Wien 1925).

Variationen für Solovioline und Orchester
 


Violinkonzert  D - Dur op. 6

  • Besetzung:
  • Solo-Violine
  • 2 Flöten
  • 2 Oboen
  • 2 Klarinetten
  • 2 Fagotte
  • 2 Hörner
  • 2 Trompeten
  • 3 Posaunen
  • Pauken
  • Schlagzeug
  • Streicher

Aufführungsdauer: 19 Minuten

Von  den beiden Violinkonzerten wird das zweite (op.7) seltener gespielt. Aus diesem h-Moll-Werk hört man jedoch öfter das Finalrondo "La Clochette"  ("Das Glöckchen"), das Franz Liszt unter dem Namen "La Campanella"  auf das Klavier übertrug.

Das erste Konzert, D-Dur, op.6, gehört dagegen unverändert ins Repertoire der grossen Geigenvirtuosen. Ob seiner melodischen Frische und klaren formalen Gliederung verdient es diese Bevorzugung.

Am Beginn des ersten Satzes (Allegro maestoso, D-Dur, 3/4 -Takt) steht eine recht wirkungsvoll angelegte Orchstereinleitung, in der die wichtigen Themen nach der Regel exponiert werden. Neben dem kraftvoll-energischen Hauptthema fällt besonders das volksliedhaft schlichte, innig empfundene Seitenthema auf.

Der Beginn des Soloparts ist zugleich mit hohen technischen Ansprüchen an den Geiger verbunden. Das Hauptthema wird in grosse Intervallsprünge zerlegt, mit schwungvollen, weit ausgreifenden Akkordbrechungen versehen und verläuft in perlenden Terzenketten.

Auch beim Vortrag des zweiten Themas fordert der Komponist nicht nur innig-kantables, sondern wiederum virtuoses Spiel, denn er löst die Melodie bald in glitzerndes Figurenwerk auf. Ein Mollteil (h-Moll) in der Satzmitte bringt rezitativische Solopassagen und dient ausserdem dazu, im Spiel von Terzen-, Oktaven- und Dezimen-Doppelgriffen wiederum technische Brillanz hervorzukehren. Die Tuttiabschnitte haben in diesem wie in anderen Sätzen vor allem die Funktion, die „Auftritte“ des Solisten wirkungsvoll vorzubereiten. Eine Kadenz hat der Komponist ins Belieben des Solisten gestellt.

Der zweite Satz (Adagio espressivo, h-Moll, 4/4-Takt) ist eine dramatisch eingeleitete Gesagsszene, für die man in einer Opernarie Rossini´s das Vorbild sehen könnte. Die Violine singt eine nobel erfundene, lyrisch aussagestarke Kantilene,


 

die hernach figurativ entwickelt wird. Es wird behauptet, Paganini habe in diesem langsamen Satz das Gebet eines Gefangenen um Befreiung gestalten wollen.

Das Finale (Allegro spirituoso, D-Dur, 2/4-Takt): ein Rondo, in dem Paganini nun ganz besonders auf Entfaltung technischer Brillanz und spielerischer Virtuosität aus ist. Rossini´s Schwung hat das kecke, elegante Rondothema,

mit dem die Solovioline sogleich anhebt. In diesem Satz begegnet uns neben vielen anderen spieltechnischen Raffinessen eine Spezialität Paganini´s: das Doppelgriffspiel im Flageolett. Da aber bravouröser technischer Aufwand stets geschmackvoll mit Sinn für Ausgewogenheit verbunden ist, finden wir auch in diesem Satz neben allen möglichen technischen Kunststückchen immer wieder Kantilenenspiel als melodischen Ausgleich.

Übrigens:

Paganini spielte dieses D-Dur-Konzert gern einen halben Ton höher, in Es-Dur. Seine Geige stimmte er zu diesem Zweck um einen halben Ton höher, konnte also technisch im griffgünstigeren D-Dur weiterspielen, während die schärfer gespannte und dadurch heller klingende Violine sich stärker und wirksamer vom Orchester abhob.