Klavierkonzert f-moll

Frederic Chopin (1810 - 1849)

Zum Klavierkonzert f-moll op. 21

  • Besetzung:

    Solo-Klavier
    2 Flöten
    2 Oboen
    2 Klarinetten
    2 Fagotte
    2 Hörner
    2 Trompeten
    Posaune
    Pauken
    Streicher

    Aufführungsdauer: 26 Minuten

Dieses Konzert entstand in den Jahren 1829/30; Chopin komponierte es im Alter von kaum neunzehn Jahren. Erst später gab er dem Werk die Opuszahl 21 (während er das danach entstandene e-moll-Konzert als op. 11 bezeichnete). Er schrieb es unter dem Eindruck seiner ersten grossen Liebe zu der Opernsängerin Konstancja Gladkowska. Als er es nach Jahren drucken liess, widmete er es jedoch einer anderen Frau: Delfina Potocka, der Liebe seiner späteren Jahre. Die ganze Tiefe seines Gefühls, die ganze Poesie der Jugend sind in diesem Werk enthalten.
Das Konzert gehört zweifellos zum Typ der brillanten, virtuosen Musik; doch das virzuose Element wird in höchst poetischer Weise angewandt. Obwohl der junge Meister formal an das Vorbild des damals gefeierten Hummel anknüpfte, ist in diesem Konzert schon der Genius Chopins zu spüren: in seiner edlen Melodiebildung, seiner reichen Figurationskunst und der typisch slawischen Lyrik, die mit dramitischen Spannungsakzenten durchsetzt ist. Wir bemerken hier auch die duftigen, spitzenartigen Chopinchen Arabesken, seine kühne, aber logische Chromatik sowie seine elegante und durchsichtige, in ihrer Frische bezaubernde pianistische Faktur.

Der erste Satz Maestoso ist ein Allegro in Sonatenform mit zwei in ihrem Ausdruck deutlich gegeneinandergestellten Themen, von denen das erste rhytmisch mehr ausgeprägt ist.

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In seiner durch und durch persönlichen, lyrischen Aussage ist das zweite Thema dagegen das wesentlich ausdrucksvollere:

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Vielleicht wird aus diesem Grund das erste Thema in der Reprise auch nur verkürzt gebracht. Die Durchführung enthält statt dramatischer Spannungen der beiden Themen eine vielfältige Ausdeutung der dramatischen Gedanken; einmal sind sie schwärmerisch und romantisch traumversunken, dann wieder voll Entzücken und Lebensfreude. Wir finden hier keine thematische Arbeit, sondern vielmehr eine Fülle spitzenartiger Figurationen als Ergebnis der schöpferischen pianistischen Vorstellungskraft des Komponisten. Die schillernden Passagen und Läufe, die kunstvollen Ornamente, welche die Grundharmonien umspielen, daneben die für den späteren Chopin tyoische Polymelodik (gleichzeitige Führung mehrerer melodischer Linien, aber nicht im Sinne von polyphonen Linien) sind die Kennzeichen des ersten Satzes.

Der zweite Satz (Larghetto As-Dur) ist eines der poetischsten Stücke aus Chopins Gesamtwerk. Arnold Schering sagt in seiner "Geschichte des Instrumentalkonzerts", dass dieses Larghetto" der inbrünstigste Liebeserguss ist, den die Musikliteratur kennt". Klare und reine, in typisch slawischen Intonationen ausgedrückte Gefühle, die gleichsam unmittelbar aus der Seele zu fliessen scheinen, sind hier in Liedform gefasst. Und wirklich - dieses Larghetto ist wie ein Gesang, der aus einem übervollen Herzen strömt. Die bezaubenden melodischen Einfälle haben liedhafte Sangbarkeit, die kapriziösen Figuren sprengen mit ihren Dissonanzen den Rahmen der damals üblichen harmonischen Sprache und schaffen neue, bis dahin noch nie gehörte Klangwirkungen:

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Der dritte Satz , das Finale (Allegro vivace, f-moll), ist ein Rondo über eine Kujawiakmelodie. "Kujawiak" ist ein polnischer Volkstanz im 3/4-Takt, von lyrischem Charakter und nicht zu schnellem Tempo, mit unregelmässigen Akzenten auf dem zweiten oder dritten Taktteil, wie wir sie auch in dem schnelleren und feurigen "Mazur" oder im wirbelartigen, schnellen "Oberek" (3/8-Takt) beobachten. Das Rondo ist erfüllt von einem wahrhaft jugendlichen Tanztaumel. Dem als Ritornell immer wiederkehrenden Thema

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werden abwechselnd Episoden in Mazurkaform und lyrische Solostellen gegenübergestellt; mit der prächtigen, von wirbelndem Oberekrhythmus erfüllten Coda klingt der Satz wie in einem triumphalen Bilde tanzenden Volkes aus. Die ziemlich frei behandelte Rondoform, gekreuzt mit der Form eines Sonatenallegros, bildet ein Tanzpoem voller Freude, Träumerei, Schwärmerei und bisweilen auch mit etwas Phantastik, die aus der romatischen Vision des polnischen Volkstanzes stammt.