Klavier/Orch. a-moll

Konzert für Klavier und Orchester a-moll op. 54

Besetzung:

Solo-Klavier: Heidrun Holtmann
2 Flöten,
2 Oboen
2 Klarinetten,
2 Fagotte,
2 Hörner,
2 Trompeten,
Pauken,
Streicher.

Aufführungsdauer: 34 Minuten

Die Idee, ein Klavierkonzert in a-moll zu schreiben, äusserte Schumann erstmals am 10. Januar 1833, in einem Brief an Friedrich Wieck: "Ich denke mir das Klavierkonzert müsse aus C-dur oder A-moll gehen." 1841, nach der "Frühlingssinfonie" und der Sinfonietta op. 52, entstand schliesslich vom 17. bis 20. Mai die "Phantasie für Klavier und Orchester" a-moll, die Clara während einer Probe der B-Dur-Sinfonie am 13. August 1841 spielte. Nachdem Schumann dieses einsätzige Werk erfolglos Verlegern (Friedrich Kistner und Härtel, beide Leipzig) als "Allegro affettuoso für Pianoforte mit Begleitung des Orchesters op. 48" angeboten hatte, ergänzte er es schliesslich vier Jahre später in Dresden durch Intermezzo und Rondo zu einem Konzert, das Clara Schumann dort am 4. Dezember 1845 unter Leitung von Ferdinand Hiller erstmals spielte. Auch in seiner Dreisätzigkeit ist dieses Konzert eine Phantasie für Klavier und Orchester geblieben, in der die poetische Idee die Form bestimmt. Tenor des Werkes ist die Sehnsucht und das Glück zweier liebender Menschen, von Schumann selbst in seinem Kampf um Clara erlebt und nun, künstlerisch umgesetzt, allgemeingültig gestaltet.

Das den
ersten Satz bestimmende Hauptthema prägt in abgewandelter Form auch die Themen der übrigen Sätze. Es ist der Melodie der Florestan-Arie aus Beethovens Oper "Fidelio" (Beginn des 2. Aktes) eng verwandt und verdeutlicht dadurch noch mehr, wie die diese Oper beherrschenden Themen der Gattentreue und des Freiheitskampfes - für Schumann der Kampf gegen alles Philisterhafte, wie er sich im Programm seiner Davidsbündler manifestierte - auch sein entschiedenes Anliegen waren.

Mit einem Dominantschlag (e) des Orchesters hebt der
erste Satz im Tempo Allegro affettuoso (4/4-Takt) an, gefolgt von einer florestanisch vorwärtsstürmenden Akkordfolge des Solisten, einem Motiv, das noch einmal in der Durchführung wiederkehrt. Erst dann erklingt in den Holzbläsern das eusebiushafte träumerische Hauptthema, das im ersten Satz in der Motivik und Stimmung mannigfache Veränderungen erfährt. Nachdem es der Solist übernommen hat, intonieren die Streicher zu Klavierarpeggien einen sehnsuchtsvoll drängenden, gleichfalls vom Hauptthema beinflussten Seitengedanken, der immer stärker kämpferischen Charakter annimmt, bis das sehnsuchtvolle Hauptthema wiederkehrt, sich leidenschaftlich steigert, der Sehnsucht und dem Kampf des Liebenden Ausdruck gebend, wobei zarte melodische Wendungen in den Holzbläsern und im Klavier das Bild Bild der Geliebten hervorzaubern. Lyrisch und leidvoll klagend beginnt die Durchführung (Andante espressivo, A-Dur, 6/4-Takt) mit dem metrisch veränderten Hauptthema, umspielt von Klavierarpeggien. Dann aber unterbrechen die Florestan-Akkorde des Anfangs diese Passage und führen und führen zu einem leidenschaftlichen Kampf, der nun die Durchführung beherrscht und in zunehmender Klangstärke und Spannung zur Reprise führt. Aus ihrer letzten Steigerung wird die Solokadenz herausgeschleudert. Sie ist der inhaltliche Kulminationspunkt des Satzes. In ihr erfährt das Hauptthema zunächst eine Polyphone Verarbeitung und führt dann leidenschaftlich vorwärtsdrängend zur Coda, in der es in pochenden 2/4-Rhythmus umgewandelt wird und als kämpferisch vorwärtsstürmender Davidsbündlermarsch den Satz beendet.
Das seelenvolle
Intermezzo (Andante grazioso, F-Dur, 2/4-Takt) ist ein zartes Zwiegespräch zwischen Klavier und Orchester. Zuerst stimmt das Klavier das graziös schreitende erste Thema - verwandt mit dem Hauptthema des ersten Satzes - an, die Streicher übernehmen es antwortend. In reizvollem Wechselspiel zwischen Holzbläsern, Horn, Streichern und Soloinstrument wird das Bild der Geliebten gemalt, während im Mittelteil eine seelenvolle innige Violonchellomelodie, von Klavierfigurationen umwoben, das schwärmerische Sehnen der Liebenden zum Ausdruck bringt. In dem sich wieder anschliessenden ersten Teil wird das erste Hauptthema immer zaghafter, zweifelnder und erstarrt schliesslich ganz. Da signalisieren in die Stille Klarinette und Fagott deas Hauprtthema des ersten Satzes, das Klavier antwortet mit einer zweifenden, ungläubigen Gebärde. Dasselbe wiederholt sich, Flöten und Oboen treten hinzu und bestätigen zusammen mit einem rasanten Vierundsechzigstellauf der Streicher den Sieg der Liebe.

Pausenlos (Anmerkung: Der Satz ist vollständig aufgenommen, die Aufnahme bricht nicht etwa ab.) schliesst sich das schwungvolle
Rondo (Allegro vivace, A-Dur, 3/4-Takt) voll kämpferischen Elan mit dem (ebenfalls mit dem Hauptthema des ersten Satzes verwandten) ersten Thema an. Im zweiten Thema verwandelt sich der tänzerische 3/4-Takt in den geradtaktigen pochenden Marschrhythmus der Davidsbündler. Temperamentvoll tritt wieder das erste Thema auf, diesmal gefolgt von einer kantablen Oboenmelodie. Doch dann kehren die ersten Themen wieder, werden von immer stärker werdender kämpferischer Freude erfasst, die in der ausgedehnten Coda - die auch dem Pianisten brillante virtuose Entfaltungsmöglichkeiten bietet - zu übersprudelnder Siegesgewissheit und Jubel gesteigert gesteigert wird und hinreissend das Werk beendet. Der Sieg über die Philister ist erreicht, und wie in Beethovens "Fidelio" könnte es heissen: "Wer ein holdes Weib errungen, stimm´ in unsern Jubel ein."