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Johann Sebastian Bach
Kurzbiografie
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Johann Sebastian Bach
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© Bertelsmann Lexikon Verlag, Gütersloh
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Johann Sebastian Bach, deutscher Komponist, *21.03.1685 Eisenach, +28.07.1750 Leipzig. Bach begriff sein kompositorischen Schaffen als handwerkliche Kunst zum Lobe Gottes. Die Grundlage seiner Arbeit bildete die Fuge, deren Form er zur Meisterschaft führte.
Zeit und Welt
Die Stadt Eisenach, in der Bach 1685 geboren wird, ist auch über hundert Jahre nach Martin Luthers Tod (1483-1546) noch allgegenwärtig vom Geist des großen Reformators erfüllt. Davon sollte auch Johann Sebastian Bach in den ersten Jahren seines Lebens geprägt werden. Nicht nur, dass Bach ab 1693 dieselbe Lateinschule besucht wie Martin Luther fast zweihundert Jahre vorher. Das geistige und auch musikalische Erbe Luthers ist allenthalben spür- und hörbar. In der vor allem von italienischen Klangidealen geprägten Zeit der ausgehenden Renaissance legte Luther mit der Entwicklung des evangelischen Kirchenliedes den Grundstein für eine eigenständige deutsche Kirchenmusik, deren größter Prophet Johann Sebastian Bach werden sollte. Martin Luthers Musikverständnis war untrennbar mit seiner religiösen Überzeugung verbunden und daher sah er die Musik immer als "Dienerin der Theologie". Diese Maxime sollte auch für die musikalische Arbeit Johann Sebastian Bachs von elementarer Bedeutung werden.
Biografie
Kindheit und Jugend
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Bachs Geburtshaus in Eisenach
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© aisa, Barcelona
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Johann Sebastian Bach wird am 21. März 1685 in Eisenach als sechstes Kind von Johann Ambrosius Bach und seiner Frau Elisabeth geboren. Die Musik wird dem Knaben bereits mit der Geburt in die Wiege gelegt, denn über mehrere Generationen hinweg finden sich in der Familie Musiker. Auch Johann Sebastians Vater steht in dieser Tradition und betätigt sich zunächst als Ratsmusiker in Erfurt, später wird er Hoftrompeter und Leiter des Stadtpfeifer-Kollegiums.
Johann ist von den ersten Lebensmonaten an von Musik umgeben, doch eine systematische musikalische Ausbildung sollte erst ab 1695 erfolgen. In diesem Jahr sterben innerhalb von neun Monaten zunächst Johanns Mutter und anschließend sein Vater. Daraufhin nimmt sein ältester Bruder Johann Christoph, der als Organist an der Michaeliskirche in Ohrdruf tätig ist, Johann in Obhut. Die folgenden Jahre werden zu den entscheidendsten für die Karriere des zukünftigen Musikers. Johann erhält nicht nur intensiven Klavierunterricht, sondern befasst sich vor allem ausführlich mit den Kompositionstechniken verschiedenster Komponisten, insbesondere denen von Johann Pachelbel (1653-1706). Hierzu bietet die Bibliothek seines Bruders mit der umfangreichen Literatur für Klavier eine wahre Fundgrube.
Gleichzeitig besucht Johann die Klosterschule, die in der Tradition Martin Luthers eine intensive Musikpflege betreibt, und singt in der Kurrende (Schülerchor). Ab 1700 wechselt er für weitere zwei Jahre in die Michaelisschule nach Lüneburg.
Organist
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Rathausplatz und Börse in Leipzig; kolorierter Stich. Leipzig, Johann Sebastian Bach Archiv.
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© aisa, Barcelona
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1703 übernimmt Johann Sebastian Bach in Arnstadt erstmals eine Organistenstelle. Künstlerisch unzufrieden, bleibt er dort jedoch nur vier Jahre, wechselt danach nach Mühlhausen und 1708 nach Weimar. Wichtige musikalische Erfahrungen sammelt er ab 1717 vor allem in Köthen, wo er als Kapellmeister und Direktor der Kammermusik wirkt. Durch das hohe Niveau des dortigen Orchesters wird Bach zur Komposition einer Vielzahl von Stücken inspiriert. In dieser Zeit entstehen so bedeutende Werke wie die Brandenburgischen Konzerte sowie Kammermusik für Flöte, Violine oder Cembalo. Zu seiner wichtigsten musikalischen Wirkungsstätte sollte jedoch ab 1723 Leipzig werden.
Thomaskantor in Leipzig
1723 wird Johann Sebastian Bach als Kantor an die Thomaskirche in Leipzig berufen. Seine Stelle kommt der eines städtischen Musikdirektors gleich, der nicht nur für die Komposition und Aufführung von Kirchenmusik in den Hauptkirchen Leipzigs verantwortlich ist, sondern auch Pflichten als Lehrer an der Thomasschule im Sinne von Latein-, Katechismus- und Musikunterricht wahrnehmen muss.
In den 27 Jahren seiner Leipziger Tätigkeit schafft Johann Sebastian Bach ein umfangreiches kirchenmusikalisches Werk. Woche für Woche komponiert er nicht nur eine neue Kantate (für hohe Festtage sogar drei), sondern studiert sie auch ein und führt sie auf. Von nicht zu unterschätzender Bedeutung für dieses gewaltige Unternehmen ist Bachs stetig wachsende Familie, die insbesondere beim Notenkopieren tatkräftige Hilfe leistet.
Familie
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"Bach, von seinen Kindern gestört"; Gemälde von Johannes Grützke 1975. Berlin. Berlinische Galerie
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© Dokument-Vortragsring, München
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In erster Ehe war Bach von 1707 bis zu ihrem Tod im Jahr 1720 mit einer Cousine zweiten Grades, Maria Barbara Bach, verheiratet. Aus dieser Verbindung stammen die Tochter Catharina Dorothea sowie die Söhne Wilhelm Friedemann, Carl Philipp Emanuel und Johann Gottfried Bernhard.
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Johann Christian Bach (1735-1782) der jüngste Sohn aus der Ehe mit Anna Magdalena Wilcke, Komponist und Musiker. Bologna, Civico Museo Bibliografico Musicale.
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© aisa, Barcelona
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1721 heiratet er Anna Magdalena Wilcke, die ihm dreizehn Kinder schenkt, von denen jedoch nur sechs überleben: die Töchter Elisabeth Juliana Friederica, Regina Johanna und Regina Susanna sowie die Söhne Gottfried Heinrich und Johann Christoph Friedrich, Johann Christian.
Krankheit und Tod
Ab 1749 hat Johann Sebastian Bach mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Er leidet an fortgeschrittenem grauen Star und unterzieht sich daher im Frühjahr 1750 zwei Augenoperationen, die jedoch nicht den gewünschten Erfolg bringen. Nach kurzer Zeit der Besserung erleidet er Anfang Juli einen Schlaganfall, von dem er sich nicht mehr erholen sollte. Zehn Tage später, am 28. Juli 1750, stirbt Johann Sebastian Bach. Er wird drei Tage später auf dem Friedhof der Johanniskirche beerdigt. Erst seit 1950 ruht sein Leichnam in der Gruft der Thomaskirche.
Werk
Johann Sebastian Bachs Werk umfasst neben den kirchenmusikalischen Kompositionen auch viele weltliche Werke. Dabei lassen sich enge Bezüge zwischen beruflichem Engagement und den einzelnen Kompositionen erkennen. Während seiner Organistentätigkeit in Arnstadt, Mühlhausen und Weimar entstanden vor allem Orgelwerke für den gottesdienstlichen Gebrauch. Als Kapellmeister am Köthener Hof erwartete man von ihm dagegen Unterhaltungsmusik für die Feste bei Hof.
In Bachs Leipziger Zeit fällt das umfangreiche, vor allem für den Gottesdienst komponierte vokale Werk: Kantaten und Messen, Passionen sowie ein Oratorium. Darüber hinaus schreibt Bach in diesen Jahren weitere zahlreiche Werke für Orgel sowie das "Musikalische Opfer" und die "Kunst der Fuge".
Gemeinsam ist allen seinen Komposition, seien sie weltlich oder geistlich, der künstlerische Geist, in dem sie entstehen: Musik zur Ehre Gottes.
Orgelmusik
Den größten Teil von Bachs Orgelwerk nehmen die Choralbearbeitungen ein. Höhepunkt dieser Schaffensperiode sind die Toccaten, Präludien, Phantasien und Fugen, unter denen die Toccata und Fuge d-Moll wohl bis heute die bekannteste geblieben ist. Johann Sebastian Bach war selbst ein virtuoser Orgelspieler, unterrichtete zahlreiche Schüler und wurde oft als Sachverständiger zu Orgel-Proben gebeten.
Wesentliches Gestaltungs-Prinzip nicht nur in Bachs Orgelwerk ist die Fuge, die er besonders genial und virtuos in seinem Wohltemperierten Klavier und der Kunst der Fuge verarbeitet hat.
Weltliche Instrumentalwerke
Besonders bekannt sind bis heute die 6 Brandenburgischen Konzerte geblieben, die ihre Bezeichnung der Widmung an den Markgrafen Christian Ludwig von Brandenburg verdanken. Außerdem entstanden neben verschiedenen Kammermusikwerken
4 Ouvertüren im Stil von Orchestersuiten
3 Violinkonzerte im italienischen Concerto grosso Stil
Doppelkonzert für zwei Violinen
13 Cembalokonzerte
Das Musikalische Opfer
Dieses letztgenannte Werk entstand während eines Besuches bei Friedrich dem Großen im Mai 1747. Der König, selbst ein begeisterter Flötist, forderte Bach bei einer seiner Soireen zur Improvisation über ein von ihm gestelltes Thema auf. Zurück in Leipzig arbeitete Bach diese Improvisation weiter aus und widmete das Werk dem König im Juli 1747 als 'ein musicalisches Opfer'.
Vokalwerke
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Evangelist: "... der Vorhang im Tempel zerriß in zwei Stücke ..." Autograph aus der Matthäuspassion.
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© Bertelsmann Lexikon Verlag, Gütersloh
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Neben 200 geistlichen Kantaten hat Bach auch rund 20 weltliche Kantaten komponiert, die jeweils zu besonderen Anlässen oder dem Geburtstag einer hochgestellten Persönlichkeit entstanden. Insbesondere die geistlichen Vokalwerke zeichnen sich durch eine enge Verbindung zwischen Text und Musik aus, die vor allem den Passionen (Matthäuspassion und Johannespassion) eine ganz besondere Dramatik verleiht. Unter der vier Messen ist besonders die große h-Moll Messe hervorzuheben.
Bachs heute bekanntestes geistliches Werk ist wohl das Weihnachtsoratorium, das alljährlich einen besonderen Stellenwert im weihnachtlichen Konzertleben einnimmt. Es besteht aus sechs einzelnen Kantaten, in denen die sechs Stationen der Weihnachtsgeschichte vertont sind und die Bach in den Hauptgottesdiensten zwischen Weihnachten 1734 und Epiphanias 1735 uraufgeführt hat.
Bibliografie
Karlheinz Böhm: Johann Sebastian Bach - Sein Leben. Für Kinder mit vielen Musikbeispielen erzählt. 1 MC, Universal Vertrieb, Hamburg 1997
Ernst A. Ekker: Johann Sebastian Bach. A. Betz Verlag, Berlin 1999
Arno Forchert: Johann Sebastian Bach und seine Zeit, Laaber Verlag, Laaber 2000
Martin Geck: Johann Sebastian Bach (rororo monographie 50637), Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek 112000
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