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nachtjuwelen
schwarze perlen auf rotem band gleiten durch meine hand
fallen im dunkeln seh' sie noch funkeln sterne aus fernem land
rote korallen auf weisser schnur tod stellte meine uhr
ging an mir vorüber rufe ihn wieder bruder aus fernem land
goldener stern im weichen frühlingsgras malte mir die wangen nass
stern ist versunken löschte aus sein licht verbarg mein gesicht
weisse diamanten so hart, so klar sagen was wahr und war
warmes licht bringt sie zum funkeln leuchten nur im dunkeln
.. regenbogenleicht ich singe im traum und merk es kaum
gesang der freude
uebergang dunkler kuehle zu leuchtender waerme
dunkelgewohnte augen geblendet von gleissendem licht
silhouetten schemenhaft kaum wahrnehmbar am horizont
noch haelt das weiche dunkle moos den schritt lockt die dunkle melodie
waehrend rueckenwaerts sich fluegel langsam entfalten
vibrieren trommelfelle im takt der endlosigkeit
zoegernd der fuss erdgebunden in hoehenfurcht
weit darueber in den sphaeren der ewigkeit schweben seelen
in vollendeter harmonie gesang der freude begegnung im unendlichen
Herbstmorgen
Die bunt gefärbten Bäume kuscheln sich tief in weiche graue Nebelbetten
Die Tränen der Nacht glänzen wie Silberperlen auf dem zerissenen Netz vergangener Träume
Stille herrscht und Ruhe - sei nur fein leise weck sie nicht auf
gesagt
zwischendurch gesagt angesagt tot gesagt nicht gesagt falsch gesagt vorgesagt nachgesagt vorher gesagt
unglauben erst danach
gehört verstanden beschämt empört zugestimmt abgelehnt verachtet abgewiesen
ich doch nicht bewusstsein
zu spät dass alles viel zu spät
frühsommermahd
verzweifelt suhlt mein dunkles ich im schlamm des bösen sich und weint hyänen lachen über mich es grinst der mond und scheint
gedanken rasen wirr auf autobahnen fremder gehirne, limit überschritten! promillgehalt von sinn nicht zu erahnen und auf bananenschalen ausgeglitten
die sprachenpolizei gebietet ruh ich lache und kann mich nicht bremsen hyänen schauen staunend zu die schnitter wetzen sensen
sie mähen kreuz, sie mähen quer und freuen am geschnitt'nen sich hyänen, köpfe und noch mehr am ende mähen sie auch mich
zwischen tag und nacht
tag gleissende mutter gnadenlos raubtest mir den sohn schicktest das weisse das tösende das tötende licht zerstörtest ein gebäude zerstörtest einen stuhl darauf saß mein sohn zwanzig jahre alt
nacht schwarze mutter gnadenlos raubtest mir den sohn schicktest das weisse das tösende das tötende licht zerstörtest meine hütte zerstörtest meine wiege darin lag mein sohn fünf tage alt
himmel blaue mutter gnadenlos wiegst unsere söhne jetzt in deinem schoß menschenhand schickte bei tag und bei nacht das weisse das tösende das tötende licht wir vergessen nicht wir vergessen nicht
nachtmare
kinderlied singt leise altvertraute weise weckt dich aus dem traum
sternlein fällt herunter nebel steigt empor silberwasser fließen fließen ins dunkle moor
kinderlied singt leise von vergang'ner zeit und von herzens leid
zorngestalten zeigen drohend ihre macht alte ängste fliegen fliegen durch die nacht
kinderlied singt leise altvertraute weise singt dich in den traum
himmel färbt sich rot kündet vom morgen kleine vögel zwitschern zwitschern ohne sorgen
kinderlied singt leise immer gleiche weise kindertraum...
Weisse Räume (ein Prosaversuch)
Als ich aus den stillen weissen Räumen, mit den stillen weissen Lichtern und den stillen weissen Menschen zurückkehrte: in das Zwielicht meiner Welt, eine Welt von der ich mich versuchsweise verabschiedet hatte, eine Welt mit Farben und Schattierungen, mit Tönen und Zwischentönen und mit Menschen, so vielen lauten Menschen, überkam mich die Angst.
Ich wollte diese Welt nicht mehr, die ständige Herausforderung, die Verantwortung, die Forderungen anderer. Bereit zu gehen hatte ich abgeschlossen mit dieser Welt, mich zurückgezogen, Ruhe gefunden.
Noch war mein Körper geschwächt, ich konnte mich verstecken in dem Dunkel meines Schlafzimmers für eine kurze Zeit. Doch der böse Geist der Vernunft stellte seine Forderungen: "Steh auf! Beweg Dich! Geh nach draussen! " und "Sprich mit den anderen!" Mechanisch, als wäre ich willenlos (ich war willenlos) befolgte ich meine Befehle.
Ich stand morgens auf, verliess mein Zimmer und erledigte, wenn auch mühsam, einige der erlernten, antrainierten Tätigkeiten des Alltages. Ich verliess das Haus und ging langsam, mühsam einige bekannte Wege. Nicht zu viel, nicht zu weit. Jeden Tag ein wenig mehr, ein wenig weiter. Ich gab Antworten, wenn man mich fragte aber ich sprach nicht. (Meine Sprache hatte ich schon lange Zeit vorher verloren, niemand hat es gemerkt)
Fast unmerklich glitt ich zurück in meine alte Fassade. Sie funktionierte wieder.
(c) Heidi Lachnitt (hl)
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