Handwerk?

- das ist die Frage. Ist sie das wirklich?

Du willst also schreiben, sonst würdest du das hier nicht lesen. Es reizt dich, Erlebnisse oder Ideen in eine lesbare Form zu bringen. Du willst Geschichten erzählen und fragst dich:

"Bin ich überhaupt begabt zum Schreiben?"

Die Antwort vorneweg: Ja, das kannst du.

Talent gehört natürlich dazu. Aber zum grössten Teil ist gutes Schreiben eine Frage des Handwerks. Und Handwerk ist bekanntlich erlernbar. Wenn du bereit bist, dafür etwas zu tun, wirst du gutes "Schreiben" erlernen wollen.

An anderer Stelle hatte ich bereits ausgeführt, dass "Creativ Writing", also "Kreatives Schreiben" in den USA eine Standarddisziplin ist und seit Jahrzehnten gelehrt wird. Hier in Deutschland setzt sich diese Disziplin nur zögerlich durch.

Viele glauben noch immer es reiche aus eine Tastatur bedienen zu können und einen grammatikalisch richtigen Satz zu bilden. Das reicht eben nicht aus.

Für jemanden, der das Schreiben erlernen will, sind beide Sichtweisen demotivierend. Wer an sein Genie glaubt, wird nach den ersten Schreibversuchen aufgeben (wenn er nicht mit übergrossem Selbstvertrauen oder erstaunlicher Ignoranz gesegnet ist). Und wer da glaubt, ohne Übung gute Geschichten schreiben zu können, wird in einem Stadium kaum lesenswerter Geschichten stecken bleiben.

Findest du es nicht auch merkwürdig, dass sich diese Ansichten niemals auf andere Berufe beziehen? Musik oder bildende Kunst setzen ohne Frage Talent voraus, werden aber trotzdem gelehrt. Würdest du einem Herzchirugen ein Skalpell in die Hand geben, der ein Studium für überflüssig erachtet, weil er sich von Natur aus für begabt hält? Sicherlich nicht.

Wenn du diese unproduktiven Vorurteile über das Schreiben vergessen hast, bist du bereits auf dem besten Wege dazu die richtigen Schritte zu gehen.

------------------------------------------------------------------------

Neben dem Talent merken wir uns diese ganz normalen Worte:

Disziplin, Hingabe, Glück, Geduld.

Auch die begabtesten Autoren überarbeiten ihre Geschichten, oft sogar viele Male.

Der englische Sprachwissenschaftler J. R. R. Tolkien (1892-1973) veröffentlichte seine Trilogie "Der Herr der Ringe", nach 12-jähriger Arbeit 1954/55. Also erst nachdem er sie viele Male überarbeitet hatte.

Ja du brauchst Disziplin, Hingabe, Glück und Geduld. Aber das bedeutet nicht gleich Schweiss und Tränen. Wer wirklich ernsthaft schreiben möchte, wird sich mit Hingabe an die Aufgabe machen. Verlange nicht alles auf einmal von dir, schreibe regelmässig und arbeite an deinen Fähigkeiten. Du hast ein Ziel: gute Geschichten zu erzählen, die den Leser begeistern.

Übung macht Spass und den Meister.

Wie in anderen Berufen auch ist Übung unerlässlich, wenn man andere von seinen Geschichten überzeugen will, sie fesseln will. Und so gehört die Beherrschung der Kniffe und Regeln des Schreibens untrennbar mit der Übung zusammen. Deshalb werde ich hier einige Übungen anbieten, um das erlernte Wissen umzusetzen zu erlernen. Das ist keinesfalls ein notwendiges Übel, sondern ein Weg zum erfolgreichen Schreiben.

Regelmässiges Üben erfordert Disziplin. Diese Disziplin brings du am besten auf, wenn du die wichtigsten Ausreden kennst, mit denen du dich vom Schreiben abhalten kannst: Keine Zeit; kein ruhiger Platz vorhanden; Beruf; Aufgaben im Haushalt; anderes Hobby; die Kinder nerven ...

Bleibe am Ball damit du dich an das regelmässige Üben gewöhnst. Wenn du kein ruhiges Zimmer hast, gehe in einen Park oder in eine Bibliothek. Nimm dir täglich eine Stunde Zeit, oder schreibe eine vorgenommene Seitszahl. Nutze Leerlaufzeiten, verzichte auch mal einen einen Fernsehfilm. Viele profitieren von einer festen Routine. Bedenke: Wenn du täglich nur eine Seite schreibst, hast du nach einem Jahr schon einen dicken Roman.

Also: Du willst lernen, spannende, fesselnde Geschichten zu erzählen?

Dann fang jetzt damit an.