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Biografischer Kontext
Schuberts "Forellenquintett" entsteht im Sommer 1819. Der Komponist verbringt gemeinsam mit dem Opernsänger Johann Michael Vogl einen Urlaub in Vogls Heimatort Steyr. Dort entstehen die ersten Skizzen zu einem Klavier-Quintett. Gewidmet ist das Werk Vogls Freund Sylvester Paumgartner, bei dem Vogl und Schubert während ihres Urlaubs Kost und Logis genossen. Paumgartner war nicht nur ein Kunstmäzen, sondern auch ein ambitionierter Amateurmusiker, der neben verschiedenen Blasinstrumenten das Cello spielte und in dessen Haus oft Konzerte stattfanden. Schubert vollendete das Werk nach seiner Rückkehr nach Wien. Die Instrumentierung für Violine, Viola, Violoncello, Kontrabass und Klavier geschah auf Anregung Paumgartners, der dabei das analog instrumentierte Klavier-Quintett von Johann Nepomuk Hummel (1778-1837) in Es-Dur op. 87 im Ohr hatte. Ebenfalls auf Paumgartner zurück geht die Verwendung von Schuberts Lied "Die Forelle" als Grundlage für die neue Komposition. Diesem Motiv verdankt das Werk auch seine heutige Bezeichnung als "Forellenquintett". Neben der ungewöhnlichen Streicherbesetzung fällt auch die Fünfsätzigkeit des Werkes auf.
Lexikon: Streichquartett
 Joseph Haydn; Stich von J. Ernst Mansfeld aus dem Jahr 1806. © jer-archiv
Mit dem Begriff "Streichquartett" wird eine Komposition für vier Streichinstrumente bezeichnet, die sich in den meisten Fällen aus 2 Violinen, Viola und Violoncello zusammensetzen. Erstmals zu musikgeschichtlicher Bedeutung gelangt das Streichquartett bei Joseph Haydn (1732-1809), der insgesamt mehr als 80 Werke für diese Gattung komponiert hat. Haydn baute das Streichquartett zu einem viersätzigen Werk aus und verlieh ihm durch die ausgefeilte satztechnische - Verwendung der Sonatenhauptsatzform im ersten Satz - und kontrapunktische Arbeit eine ganz neue künstlerische Dimension, die diese Gattung seither zu einer der zentralen kammermusikalischen Gattungen der letzten zwei Jahrhunderte gemacht hat. Gleichzeitig stellt das Streichquartett damit höchste Ansprüche nicht nur an die ausführenden Künstler, sondern auch an das zuhörende Publikum.
Auf dieser Basis der Streichquartette entwickelte sich durch Hinzufügung eines Soloinstrumentes das Quintett. Franz Schuberts "Forellenquintett" ist für Streichquartett und Klavier geschrieben. Dabei setzt sich der Streicherapparat jedoch abweichend von der Regel aus Violine, Viola, Violoncello und Kontrabass zusammen.
Die Musik
In Franz Schuberts Forellenquintett lassen sich die verschiedensten musikalischen Formen beispielhaft studieren:
· Sonatenhauptsatzform · Variationsform · Rondoform · Liedform
In der folgenden Analyse werden im ersten Satz die Verwendung der Sonatenhauptsatzform und im vierten Satz die Variationsform näher dargestellt.
1. Satz: Allegro vivace
Der erste Satz verwendet die Form des Sonatenhauptsatzes, allerdings beschreitet Schubert auch hier seine eigenen, von der Norm abweichenden Wege.
Gliederungsübersicht
· Exposition: Takt 1-146 · Durchführung: Takt 147-209 · Reprise: Takt 210-Ende
© jer-archiv
Der Satz beginnt mit der Vorstellung der beiden Themen (Exposition) und stellt zunächst das erste, zweiteilige Thema vor, das eine Art Frage- und Antwortspiel zwischen Klavier und Streichern darstellt:
Die beiden Thementeile (beide in der Tonika A-Dur) weisen vollkommen konträre Charaktereigenschaften auf. Während das Klavierthema mit seinen aufwärts strebenden gebrochenen Akkorden (Arpeggien) im Triolen-Rhythmus und forte (f) sehr dynamisch wirkt, kontrastieren die Streicher dazu mit einer lyrischen Cantilene im pianissimo (pp) mit hauptsächlich halben Noten.
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Diese beiden Thementeile ziehen sich durch die Exposition. Sie werden verarbeitet durch rhythmische Veränderungen, wandern durch verschiedene Tonarten und erklingen teilweise auch nur ausschnittweise, in Takt 40 werden im Klavier erstmals auch beide Teile miteinander kombiniert.
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Dieser erste Themenkomplex schließt in Takt 84 auf der Zählzeit eins ab. In der zweiten Hälfte dieses Taktes wird das zweite Thema vorgestellt, ein tänzerisches Motiv mit staccato-Noten und punktiertem Rhythmus, das gut zu der allgemein heiteren Grundstimmung des gesamten Werkes passt und in der Dominante E-Dur steht:
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In der ab Takt 147 folgenden Durchführung werden diese verschiedenen Themen verarbeitet, bevor in Takt 210 mit der Reprise das erste, zweiteilige Thema wieder aufgenommen wird. Diesmal steht es jedoch unerwartet nicht in der Tonika A-Dur, sondern in der Subdominante D-Dur.
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Diese beiden Thementeile bestimmen die musikalische Szene bis Takt 269, wo in der zweiten Takthälfte wieder Thema 2 einsetzt, diesmal in der erwarteten Grundtonart bzw. Tonika A-Dur.
4. Satz: Thema mit Variationen
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Dieser Satz enthält das berühmte "Forellenthema" aus Schuberts Lied "Die Forelle", das dem Werk später auch seinen Namen gegeben hat. Es wird zunächst in einem ruhigen Andantino-Tempo in den Streichern vorgestellt, wobei die Violine die Melodieführung übernimmt.
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In Variation 1 wird das Thema mit nur wenigen Veränderungen (Verzierungen durch Triller, Umspielung von Noten u. ä.) im Klavier vorgetragen.
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In Variation 2 übernimmt die Viola das Thema (eine Oktave tiefer als im Original). Das Klavier imitiert das Thema teilweise in Auszügen einen Takt später.
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In Variation 3 wandert das Thema in die Unterstimmen (Violoncello und Kontrabass), begleitet von einer dynamischen und lebendigen Begleitung in Zweiunddreißigstel-Noten im Klavier.
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In Variation 4 verändert sich der Charakter des bisher heiteren Themas und wandelt sich zu einem lebhaften, stürmisch-düsteren Charakter mit marschähnlichem Rhythmus. Der bisher punktierte Rhythmus wird aufgelöst zu Achtelnoten und Sechstolen, außerdem moduliert die Variation von dem bisher hellen D-Dur in das dunkle d-Moll. Von dem ursprünglichen Thema bleiben lediglich die Kernnoten erhalten.
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In Variation 5 findet nochmals eine Modulation (Wandern in eine andere Tonart) statt. Diesmal landet Schubert in B-Dur, das Thema übernimmt das Cello und variiert dabei insbesondere die längeren Noten. Darüber hinaus werden Intervalle umgekehrt, verkleinert und vergrößert. Im Verlauf dieser Variation wandert Schubert mit dem punktierten Motiv durch die verschiedensten Tonarten, bis er in A-Dur mit Septime (Dominante zu D-Dur) endet und damit wieder zur Ausgangstonart D-Dur zurückführt.
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Das Finale dieses Satzes ist mit "Allegretto" überschrieben und weist schon in dieser Überschrift auf eine Rückkehr zu der heiteren Stimmung zu Beginn des Stückes hin. Violine und Violoncello musizieren das Thema abwechselnd und zum Schluss gemeinsam im Duett. Die ursprüngliche Punktierung wird dabei zugunsten eines gleichmäßig, zügig fortschreitenden Achtelrhythmusses aufgegeben.
Satz 2 Satz 3 Satz 5
Bibliografie
Hansgeorg Mühe: Franz Schubert: Forellenquintett. Einführung und Analyse mit Partitur. 1 CD-ROM, WHC-Musiksoftware, Söhrewald 1998
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