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Clara Schumann
Biografie
"Ihre Fertigkeit (ist) von der Art, dass sie das Schwerste, was für das Instrument geschrieben ist, mit einer Sicherheit und Leichtigkeit überwindet, wie man dies nur bei den größten jetzt lebenden Virtuosen antrifft. Dass ferner das, wodurch sich ihr Spiel vor dem der gewöhnlichen frühreifen Virtuosen auszeichnet, nicht bloß Ergebnis einer strengen und meisterhaften Schule ist, sondern auch aus ihrem Innern hervorgeht, dafür geben ihre Kompositionsversuche Zeugnis,..." (Louis Spohr)
Kindheit und Jugend
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Clara Schumann, geborene Wieck
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© Bertelsmann Lexikon Verlag, Gütersloh
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Clara Josephine Wieck wird am 13. September 1819 als ältestes von vier Kindern in Leipzig geboren. Ihr Name ist bereits Lebensprogramm - Clara, die Strahlende, die Helle, die Reine, die Berühmte -, das vom Vater vom ersten Moment an mit verbissener Ausdauer verfolgt wird. Friedrich Wieck hatte sich mit Zähigkeit und Ausdauer eine Position als Klavierhändler und Musikpädagoge erkämpft und war von dem krankhaften Ehrgeiz besessen, aus seiner Tochter eine virtuose und berühmte Pianistin zu machen, mit der er brillieren und seine pädagogischen Fähigkeiten unter Beweis stellen konnte. Und so spielt von Musik von klein auf bei Clara eine größere Rolle als irgend etwas anderes. Das geht sogar so weit, dass sie mehr mit Musik als mit Worten aufwächst und daher erst spät sprechen lernt: "... dass ich erst zwischen dem vierten und fünften Jahre einzelne Worte zu sprechen anfing und zu dieser Zeit auch ebenso wenig verstehen konnte. Klavier spielen hörte ich jedoch sehr viel, und mein Gehör bildete sich dadurch leichter für musikalische Töne als für die Sprache aus."
Friedrich Wieck ist ein äußerst disziplinierter Mensch, der mit eiserner Hand nicht nur sein Geschäft führt, sondern auch die Familie regiert. Unstimmigkeiten mit seiner selbstbewussten, 12 Jahre jüngeren Ehefrau, der sensiblem Pianistin Marianne Tromlitz, sind daher vorprogrammiert. 1824 verlässt Marianne mit den beiden Kindern Viktor und Clara ihren Ehemann, muss ihm jedoch versprechen, die Tochter nach Vollendung des fünften Lebensjahres wieder dem Vater zu überlassen, der von da an die alles bestimmende Figur in Claras Leben werden und sie vollkommen dominieren und beherrschen sollte.
Zielstrebig verfolgt Friedrich Wieck in den nächsten Jahren die musikalische Ausbildung seiner Tochter. Clara bleibt weder Zeit, Kind zu sein, noch erhält sie die Möglichkeit einer ordentlichen Allgemeinbildung, sondern wird systematisch zu einem pianistischen Wunderkind herangezogen. Friedrich Wieck hat seine Unterrichtsmethode aus den Gedanken des irischen Klavierpädagogen John Field und der technischen Erfindung des Musikpädagogen Bernhard Logier entwickelt. Mit Hilfe des so genannten "Logier'schen Apparates" oder "Chiroplasten", an dem sogar schon dreijährige Kinder das Klavierspiel erlernen konnten, wird nicht nur die richtige Körper- und Fingerhaltung trainiert, sondern auch die notwendige Muskelkraft entwickelt. Dass sich unter dieser eisernen Disziplin und dem mechanischen Drill trotzdem eine Pianistin entwickeln konnte, die ein kraftvolles und virtuoses Spiel mit musikalischer Ausdrucksfähigkeit zu verbinden verstand, ist sicherlich weniger Friedrich Wiecks Klavierunterricht als dem mütterlicherseits ererbten Talent zu verdanken. Großmutter Tromlitz ist Kantorin und der Urgroßvater Johann Georg Tromlitz gilt als der Erfinder der Querflöte mit acht Klappen.
Darüber hinaus erhält Clara frühzeitig auch bereits Unterricht in Musiktheorie, zunächst wiederum bei ihrem Vater und ab 1830 von dem Thomaskantor Christian Theodor Weinlich (Weinlig). Später kommen Studien bei Heinrich Dorn, dem Musikdirektor der Leipziger Oper, sowie bei Carl Gottlieb Reißiger in Dresden dazu.
Mit acht Jahren stellt Friedrich Wieck seine Tochter erstmals einem kleinen von Zuhörern vor und Jahr 1828 erfolgt ihr Debüt im Leipziger Gewandhaus, bei dem Clara erstmals öffentlich auf sich aufmerksam macht. Zu dieser Zeit tritt Robert Schumann als neuer Klavierschüler in das Leben der Familie Wieck. Neben der fromm-farblosen Stiefmutter Clementine, die Friedrich Wieck 1828 geheiratet hatte, und dem autoritär-disziplinarischen Vater bringt dieser junge Mann plötzlich einen frischen Wind in Claras Leben und inspiriert ihre künstlerische Seele. Robert Schumann erweitert nicht nur ihren musikalischen Horizont, sondern auch ihre ansonsten recht spärliche Allgemeinbildung.
Bereits früh beginnt Clara Wieck sich jedoch - zunächst still und für ihren Vater unmerklich, bald jedoch, bedingt durch ihre Liebe zu Rudolf Schumann, die sie vor eine endgültige Entscheidung stellt - aus ihrem bisherigen gefängnisartigen Dasein zu lösen und die väterlichen Fesseln abzustreifen. Dies zeigt sich ab Anfang der 1830er Jahre zunehmend auch in ihren Konzertprogrammen, die bis dahin Friedrich Wieck gestaltet hatte und in denen virtuose Werke von Komponisten wie Czerny, Thalberg, Herz und Henselt vorgeherrscht hatten. Als Clara beginnt, ihre künstlerische Individualität zu entfalten, wählt sie dazu Komponisten wie Bach, Beethoven, Mozart, Mendelssohn und Chopin sowie später vor allem auch ihres Ehemannes Robert Schumann und des Freundes Johannes Brahms.
Stationen einer Pianistinnen-Karriere
Am 8. November 1830 gibt Clara Wieck mit 11 Jahren ihr erstes eigenes Konzert im Leipziger Gewandhaus, bei dem sie nicht nur als Pianistin gefeiert, sondern auch als Komponistin gewürdigt wird: "Die ausgezeichneten, sowohl in ihrem Spiele, als in ihren Kompositionen bemerkbaren Leistungen der jungen Künstlerin rissen zu allgemeiner Bewunderung hin und errangen ihr den größten Beifall." (Leipziger Zeitung)
Dieses Konzert sollte der Auftakt zu einer Vielzahl von Konzerttourneen durch ganz Europa sein, die Clara Wieck in den nächsten Jahren zu einer der gefeiertsten Pianistinnen ihrer Zeit aufsteigen lassen.
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Jahr
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Auftrittsorte
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8.11.1830
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Erstes eigenes Konzert im Leipziger Gewandhaus
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1831
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Der erste Teil der Tournee führt nach Weimar, wo Clara Wieck u. a. vor dem 82-jährigen Johann Wolfgang von Goethe musiziert, der ihre pianistischen Fähigkeiten sowohl technisch als auch musikalisch kommentiert: "Das Mädchen hat mehr Kraft als sechs Knaben zusammen... Über Claras Darstellung vergißt man die Komposition." Von dort aus reisen Clara und Friedrich Wieck über Erfurt, und Arnstadt nach Kassel, wo der Komponist Ludwig Spohr ebenfalls voller Begeisterung nicht nur über die Pianistin, sondern auch über die Komponistin Clara Wieck ist. Nach weniger erfolgreichen Konzerten in Frankfurt am Main schließt die Tournee erfolgreich in Paris ab.
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Johann Wolfgang von Goethe diktiert seinem Schreiber John; Ölgemälde von Josef Schmeller, 1831
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© Dokument-Vortragsring, München
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1834
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Große Deutschlandtournee mit Konzerten in Magdeburg, Halberstadt, Braunschweig, Hannover, Bremen und Hamburg
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1837
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Konzerte in Berlin, Hamburg und Bremen sowie im Herbst Tournee über Dresden und Prag nach Wien, wo u. a. auch Friedrich Liszt zu Claras Bewunderern avanciert: "Ich hatte noch das Glück, die junge und höchst interessante Clara Wieck kennenzulernen, die im verflossenen Winter ebenso verdientes, als außerordentliches Aufsehen hier gemacht hatte. Ihr Talent entzückte mich; vollendete technische Beherrschung, Tiefe und Wahrheit des Gefühls und durchaus edle Haltung ist es, was sie insbesondere auszeichnet."
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1839
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Konzerte in Hof, Nürnberg, Ansbach, Stuttgart und Karlsruhe
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1840
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Reise nach Paris (Februar-August)
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31. März 1841
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Erstes Konzert als Clara Schumann im Leipziger Gewandhaus; ein weiteres Konzert am 6. Dezember gemeinsam mit Franz Liszt wird euphorisch gefeiert
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1842
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Tournee nach Magedeburg, Braunschweig, Bremen, Oldenburg, Hamburg und Kopenhagen, wo Clara Schumann den Märchendichter Hans Christian Andersen sowie den Komponisten Niels Gade kennen lernt
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Niels Gade, dänischer Komponist (1817-1890)
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© Bertelsmann Lexikon Verlag, Gütersloh
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1844
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Umjubelte Russlandtournee, beginnend in Königsberg über Tilsit, Riga, Mitau und Dorpat nach Sankt Petersburg und Moskau und auf der Rückfahrt noch einmal Sankt Petersburg sowie Kronstadt und Swinemünde
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1847
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Weniger erfolgreiche Konzerte in Wien und Berlin, dafür jedoch umso begeistertere Aufnahme des Ehepaares Schumann in Prag
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1850
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Konzert in Hamburg gemeinsam mit der "schwedischen Nachtigall" Jenny Lind
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1853
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Erfolgreiche Holland-Tournee des Ehepaares Schumann, auf der beide Künstler gleichermaßen anerkannt und gewürdigt werden
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Nachdem Robert Schumann 1854 in die psychiatrische Klinik Endenich eingeliefert worden ist, geht Clara Schumann noch öfter auf Konzertreisen, da sie nun allein für den Unterhalt der Familie sorgen muss.
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1855
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Tournee durch Holland (Rotterdam, Leyden, Utrecht, Amsterdam, Den Haag) im Januar, Konzerte in Danzig und Berlin im Februar sowie Tournee durch Pommern (Greifswald, Stralsund, Grimmen, Bergen) im März
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1856
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Tournee nach Wien, Prag und Pest sowie nach England (London, Manchester, Liverpool, Dublin)
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Nach Robert Schumanns Tod am 29. Juli 1856 verfällt Clara Schumann in eine Art Konzertrausch - nicht allein aus existenziellen Gründen, sondern vielmehr zur Betäubung des seelischen Schmerzes nach Robert Schumanns Tod - und bringt ihre Kinder infolge dessen in verschiedenen Internaten bzw. bei Freunden unter.
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1856
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Im Herbst Tournee nach Frankfurt, Karlsruhe und Heidelberg sowie wiederum nach Kopenhagen; im Winter 1856/57 Deutschlandtournee (Elberfeld, Barmen, Köln, Berlin, Dresden, Leipzig, Hannover, Göttingen)
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1857
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2. Englandtournee; erstmals machen sich nach den vielen Konzerten körperliche Beschwerden in Form von Schmerzen im linken Arm bemerkbar; nach einer Erholungspause weitere Konzertreise in die Schweiz (Zürich, Bern, Basel)
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November 1858
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Beginn einer sechsmonatigen Tournee nach Österreich und Ungarn (Dresden, Graz, Prag, Pest, Wien)
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Wien im 18. Jh.: Blick auf die Stadt von der Alservorstadt aus
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© aisa, Barcelona
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1859
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3. Englandreise
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1862/63
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Konzerte in Hamburg, Hannover, Leipzig, Köln, Bonn, Frankfurt, Karlsruhe, Basel, Gebweiler, Mülhausen, Zürich sowie in Paris, wo Clara Schumann enthusiastisch gefeiert wird, Lyon und Brüssel
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1863/64
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Konzerte in Aachen, Frankfurt, Hamburg, Lübeck, Hannover, Braunschweig
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Februar 1864
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Aufbruch zu einer 2. Russlandtournee (Königsberg, Riga, Mitau, Sankt Petersburg, Moskau)
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1865
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4. Englandtournee
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1867
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5. Englandtournee (London, Edinburgh, Glasgow)
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1868
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Konzertreise nach Belgien und England, sowie Auftritte in Bremen und Breslau
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1869
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Tournee durch Holland und England
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1871
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Konzerte in Deutschland, Holland und England
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1872
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Konzerte in Berlin, Leipzig, London und Liverpool
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1873
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Schumann-Gedenkfeier in Bonn, bei der u. a. Brahms' "Deutsches Requiem" aufgeführt und Clara Schumann frenetisch gefeiert wird
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In den folgenden Jahren kehren Clara Schumanns rheumatische Schmerzen im Arm wieder, so dass sie längere Zeit zu einer pianistischen "Zwangspause" verurteilt ist.
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1876
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Neuerliche Englandtournee
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1881
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Triumphale Englandtournee
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Ab 1884 leidet Clara Schumann zunehmend unter Hörproblemen, die sie in der Zukunft ihre Konzerttätigkeit einschränken lassen.
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1884
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16. Englandreise
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1888
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19. Englandtournee mit einem Abschiedskonzert in London
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Clara und Robert
Für Clara ist Robert zunächst lange Zeit der "große Bruder", dem sie u. a. einige ihrer ersten Kompositionen widmet ("Herrn Schumann, der seit Michael 1830 bei uns wohnt und Musik studiert.") und von dem sie in dieser Richtung weiter ermutigt wird.
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Robert Schumann (1810-1856)
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© Bertelsmann Lexikon Verlag, Gütersloh
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In den nächsten Jahren verbindet Clara und Robert eine immer enger werdende künstlerische Freundschaft, die sich vor allem in einem regen Briefwechsel niederschlägt. Sie tauschen sich über ihre jeweiligen neuesten Werke aus und inspirieren sich gegenseitig. Beinahe unmerklich wird über die Monate aus dieser Künstlerfreundschaft Liebe, sehr zum Missfallen von Vater Wieck, der Clara daraufhin im Januar 1836 nach Dresden - angeblich zur weiteren musikalischen Ausbildung - schickt und so von Robert zu trennen sucht. Als sich Robert davon nicht abschrecken lässt und Clara in Dresden aufsucht, untersagt Friedrich Wieck schließlich jeglichen persönlichen und brieflichen Kontakt zwischen den beiden.
Robert Schumann fällt in dieser Zeit - durch den Tod seiner Mutter am 4. Februar 1836 doppelt getroffen - in eine schwere seelische Krise, die sich in der Clara gewidmeten "Klaviersonate op. 11 in fis-Moll" musikalisch niederschlägt. Als jegliche Reaktion seitens der Widmungsträgerin ausbleibt, verstärkt sich Roberts Verzweiflung noch. In dieser Zeit versuchen nicht nur Vater Wieck, sondern auch ein vermeintlicher Freund, die beiden Liebenden durch Verleumdungen auf beiden Seiten auseinander zu bringen. Diese Kampagne hätte fast Erfolg gehabt, doch die Liebe zwischen Clara und Robert ist schließlich stärker als alle Intrigen. Noch hofft Robert im September 1837, als er zu Claras 18. Geburtstag offiziell um ihre Hand bei Friedrich Wieck anhält, auf einen 'Waffenstillstand' und damit die väterliche Einwilligung zu dieser Verbindung. Doch eine wenige Tage später erfolgende Unterredung zwischen Schumann und Wieck, in der es dem Ältere einzig darum geht, den empfindsamen Musiker jeglicher Selbstachtung zu berauben und sich über seine Kunstauffassung zu mokieren.
Noch fügt sich Clara als dankbare Tochter ihrem Lehrer-Vater, der mit ihr in den nächsten Monaten erneut auf Konzertreise geht. Während der nun folgenden dreijährigen Trennungszeit gilt es für Beide, ihr bisheriges Leben unter den Vorzeichen einer gemeinsamen Zukunft neu zu überdenken. Clara sieht sich im Winter 1838/39 erstmals allein den vollen Belastungen und Anspannungen einer Konzertreise ausgesetzt, da ihr Vater sie aus taktischen Gründen nicht begleitet. Robert seinerseits ist mit allen Kräften bemüht, eine finanzielle Basis für ein gemeinsames Leben zu schaffen. Als sich in einem letzten Aussöhnungsbemühen Friedrich Wieck immer noch unverändert starrsinnig dem Heiratswunsch entgegenstellt, richtet Robert am 16. Juli 1839 eine Eingabe an das Appellationsgericht in Leipzig, um auf diesem Wege die Eheschließung durchzusetzen. Friedrich Wieck wendet daraufhin alle erdenklichen rhetorischen Mittel im Gerichtssaal und taktischen Tricks im täglichen Leben an, um das Urteil zu seinen Gunsten zu beeinflussen und seine Tochter seelisch zu zermürben. Nach mehr als einem Jahr haben das zermürbende Warten und der Nervenkrieg für die Brautleute schließlich ein Ende: mit Wirkung vom 11. August 1840 ist der Weg für eine gemeinsame Zukunft frei, und am 12. September werden Clara Wieck und Robert Schumann in aller Stille in Schönefeld bei Leipzig getraut.
Trotz dieser gemeinsam überstandenen Stürme sollte sich ihre Ehe nicht immer problemlos gestalten. Zu sehr war nicht nur Robert seinen seelischen Stimmungsschwankungen unterworfen, sondern kollidierte für die künstlerisch begabte und weiterhin aktive Clara auch der häusliche Alltag mit Ehemann und schließlich acht Kindern. Darüber hinaus ist es für den sensiblen Robert oft unerträglich, dass seine Ehefrau mit wenigen Konzerten ebenso viel verdient wie er während eines ganzen Jahres. Auch künstlerisch fühlt er sich seiner international als Pianistin anerkannten und geschätzten Ehefrau unterlegen. So sehr er seine Frau in den ersten Jahren als Pianistin bewundert und ihr Spiel "als ... das Vollendetste, was man sich nur denken kann" bezeichnet hat, so sehr nagt nun die Eifersucht auf die weltweit geschätzte und anerkannte Künstlerin im Vergleich zu seinen lokal begrenzten Erfolgen an ihm. Darüber hinaus vertritt er die Ansicht "das Weib steh(e) doch noch höher als die Künstlerin". Clara fühlt daher bereits in den ersten Ehemonaten ihre künstlerischen Flügel von dem Ehemann, auf den sie Rücksicht nehmen muss und für den sie zu sorgen hat, beschnitten. So besteht beider Leben in steten Kompromissen, die dennoch an der grundsätzlich glücklichen und erfüllten Ehe, in der sich Robert und Clara oft auch gegenseitig inspirieren und künstlerisch bereichern, nichts ändert.
Ein Leben ohne Robert
"Gott gebe mir die Kraft, zu leben ohne ihn."
Als Robert Schumann 1856 stirbt, ist Clara zunächst völlig verloren. Bereits an ihrem Hochzeitstag hatte sie einem solchen Tag mit Bangen entgegengeblickt: "der Gedanke, ich könnte ihn einmal verlieren, wenn der über mich kommt, dann verwirren sich gleich alle meine Sinne - der Himmel schütze mich vor solchem Unglück, ich trüge es nicht..."
Nach Robert Schumanns Tod beginnt seine Frau ein unstetes Künstlerleben mit unzähligen Konzerten und Tourneen. Ihre Kinder leben fortan in Internaten oder bei Freunden ohne das Zentrum eines eigenen Heimes. Diese Situation ändert sich erst, als Clara Schumann 1862 ein Hauses in Lichtental bei Baden-Baden erwirbt: "Es wäre doch sehr zweckmäßig, wenn ich im Sommer ein festes Domizil hätte, wo ich dann doch auch die Kinder zeitweise um mich haben könnte." Dieses von den Kindern und Freunden aufgrund ihrer Größe als "Hundehütte" bezeichnete Haus wird zwischen den Konzerttourneen zunehmend zu einer Oase, wo nicht nur die Familie zusammentrifft und Freunde wie Johannes Brahms zu Besuch kommen, sondern Clara auch wieder Kraft und Inspiration für neue Konzerte schöpft.
Nachdem Clara Schumann das Haus im Sommer 1873 verkauft hat, zieht sie für fünf Jahre nach Berlin, bevor sie sich für die letzten 18 Jahre ihres Lebens in Frankfurt am Main niederlässt, wo sie vor allem als Klavierlehrerin am Konservatorium wirkt.
Auszeichnungen
1838 K.K. Kammervirtuosin, Wien
1881 Ehremitglied der Royal Academy of Music, London
1889 Goldene Medaille für Kunst, von Kaiser Wilhelm verliehen
Clara Schumann und Johannes Brahms
Bereits in Robert Schumanns letzten Lebensjahren tritt der junge Johannes Brahms in das Leben des Künstlerehepaares. Zwischen den beiden Komponisten entspringt sofort eine intensive Künstlerfreundschaft, denn Schumann erkennt die musikalische Sendung des jungen Mannes und widmet ihm einen euphorischen Artikel in der "Neuen Zeitschrift für Musik". Nach Roberts frühem Tod sollte Johannes Brahms für Clara, die ihn als Komponisten außerordentlich schätzt und sich nachhaltig für die Verbreitung seiner Werke einsetzt, indem sie sie regelmäßig in ihre Konzertprogramme aufnimmt, ein unentbehrlicher Freund werden, der ihr vor allem in der ersten schweren Zeit nach Roberts Tod tröstend zur Seite stand.
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Johannes Brahms (1833-1897)
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© Bertelsmann Lexikon Verlag, Gütersloh
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Verbindet die Witwe und den 14 Jahre jüngeren Komponisten in der ersten Zeit eine Art Mutter-Sohn-Beziehung, so sollte sich daraus in den nächsten Jahren beinahe unmerklich eine tiefe Liebe entwickeln. Ein Spiegelbild dieser Wandlung sind die Briefe, die zwischen beiden über die Jahre hinweg ausgetauscht werden. Aus Brahms' "Verehrte Frau" wird "Geliebteste Freundin" und schließlich "Meine geliebte Clara". Bei Clara Schumann vollzieht sich diese Veränderung eher unterbewusst, drängt sich dafür aber im Jahr 1858 eruptiv an die Oberfläche, als sich Johannes Brahms - ohne Aussicht auf eine Erwiderung seiner Gefühle für Clara - in die junge Adele von Siebold verliebt. Diese Entdeckung wirft Clara Schumann in eine tiefe seelische Krise: "Ich verbrachte einen schlimmen Sommer und war noch im September ... so elend nervös, dass ich nichts tun konnte." Johannes Brahms hingegen sollte sich trotz seiner Liebe zu Agathe nicht für eine Heirat mit derselben entscheiden, weil er sich nicht "Fesseln" anlegen lassen wollte, vielleicht jedoch auch, weil Clara die große Liebe seines Lebens war, von der er innerlich nicht loskommen konnte. Noch 1876 schreibt Brahms an Clara: "Ich liebe dich mehr als mich und irgendwen und -was auf der Welt." Nach dieser Erfahrung sollte Brahms' privates Leben ohne weitere große Stürme verlaufen und sich die Beziehung zu Clara Schumann in eine enge, wenn auch nicht immer unbelastete Freundschaft wandeln, in der sich beide nicht nur künstlerisch inspirierten, sondern auch immer wieder über menschliche Schicksalsschläge hinwegtrösteten. Nachdem Clara Schumann am 20. Mai 1896 in Frankfurt gestorben war, war auch Johannes Brahms' Lebenskraft erloschen; er sollte weniger als ein Jahr später am 3. April in Wien sterben. Clara Schumann wurde auf dem Alten Friedhof in Bonn neben ihrem Mann Robert bestattet.
Die Komponistin Clara Schumann
Die Komponistin Clara Schumann hat nur wenige Werke hinterlassen. In den ersten Jahren ihrer Freundschaft mit Robert Schumann zur Weiterentwicklung dieser Kreativität angespornt, verliert sie jedoch nach dem eigenen Ausspruch "Ein Frauenzimmer muss nicht komponieren wollen" zunehmend das Interesse daran. Ihr Werkeverzeichnis, bestehend aus 23 Kompositionen mit Opuszahl und weiteren 19 ohne, enthält hauptsächlich Klaviermusik und Lieder. Ihre Klavierwerke sind eine Mischung von kraftvoller Klangsprache und innigem Gefühl, die den Eindruck erwecken, man höre die gefeierte Pianistin selbst darin, und von besonderer Schönheit und Innigkeit sind ihre Lieder.
Clara Schumann heute Zum 100. Todestag von Clara Wieck-Schumann im Jahr 1996 veranstaltete das Wiener Insititut für Musiksoziologie an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst ein dreitägiges Clara-Schumann-Symposium. Die Vorträge wurden in der "Musikschriftenreihe Frauentöne", Band 3, im selben Jahr auch veröffentlicht.
"Die Technik soll entwickelt werden, um dem Geist der Musik zu dienen, auf dass der virtuose Musiker den Komponisten als den Schöpfer der Musik am höchsten ehren solle." Unter diesem Motto Clara Schumanns führte die Düsseldorfer Robert-Schumann-Gesellschaft erstmals 1994 (danach im Dreijahreszyklus) einen Klavierwettbewerb, den "Concours Clara Schumann", durch.
Bibliografie
Veronika Beci: Die andere Clara Schumann, Droste Verlag, Düsseldorf 1997
Beatrix Borchard: Clara Schumann. Ihr Leben, Ullstein Buchverlage, Berlin 1991
Wolfgang Held: Manches geht in Nacht verloren. Die Geschichte von Clara und Robert Schumann, Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 1998
Karla Höcker: Das Leben von Clara Schumann, geb. Wieck, Verlag E. Klopp, Hamburg 4. Auflage 1988
Paul A. Koch: Clara Wieck-Schumann: Kompositionen. Eine Zusammenstellung der Werke, Literatur und Schallplatten, Zimmermann Musikverlag, Frankfurt am Main 1991
Clara Schumann, Robert Schumann: Briefwechsel. Kritische Gesamtausgabe. Hrsg. von Eva Weissweiler, 3 Bände,Stroemfeld Verlag, Frankfurt am Main 1984, 1987
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