Charakter/Plot

Wie weiter oben bereits erwähnt, entsteht eine Geschichte aus der Verknüpfung von "wer" (der Charakter) und "was" (die Geschichte).

Eine Geschichte kann an unterschiedlichen Punkten ansetzen:

  • Von einem guten Charakter ausgehend die Geschichte entwickeln;

  • Erst das Handlungsgerüst entwerfen und dann die dafür notwendigen Charaktere entwickeln.

Beide Wege sind gangbar.

Fang einfach da an, wohin dich deine Inspiration führt.

Interessante Charaktere schaffen

Unter allen Umständen solltest du verhindern Stereotypen zu schaffen.

Nehmen wir als Beispiel den typischen Charakter (Protagonist=Hauptfigur) einer Detektivgeschichte: Er ist männlich, jung oder mittleren Alters, leidet ständig unter Geldmangel, bewegt sich in der Nähe der Unterwelt, ist dynamisch und athletisch.

Die erfolgreichsten Detektive in der Literatur brechen aber nicht zufällig alle in der einen oder anderen Weise mit diesem Klischee: Agatha Christie´s Miss Marple ist nicht nur eine Frau, sondern auch noch alt und lebt in kleinbürgerlichen Verhältnissen. Rex Scout´s Nero Wolfe ist reich, sehr gebildet, dick, ein Gourmet, er verlässt nie das Haus und züchtet Orchideen.

Definition

Streotypen sind Verallgemeinerungen über Menschen, die aufgrund von einzelnen Beobachtungen und Vorurteilen gemacht werden.

Beispiele: die dumme Blondine, der Arme mit dem goldenen Herzen.[/b]

Charakter und Plot gehören untrennbar zusammen:

Die dargebrachten Beispiele zeigen das : Miss Marple hat es aufgrund ihres sozialen Umfeldes nicht mit Drogendealern zu tun, sie ermittelt meist in der britischen Oberschicht.

Nero Wolfe kann keine Verfolgungsjagden durchführen - er muss seine Fälle mit Scharfsinn lösen (für die Beschaffung von Info und für die "Action" hat er einen Assistenten).

Definition

Der Plot ist die strukturierte Beschreibung der Abfolge der Ereignisse einer Geschichte.

Das klassische Beispiel von E. M. Forster:

"Der König starb, und dann starb die Königin." Das ist kein Plot; hier wird einfach ein Ereignis an das andere gereiht, ohne Zusammenhang. "Der König starb, und dann starb die Königin aus Kummer."

Das ist die Beschreibung eines Plots, denn hier werden die Ereignisse als aufeinander bezogen geschildert. Es gibt eine kausale Beziehung.

Die überzeugendsten Charaktere sind mehrdimensional angelegt: physisch, soziologisch und psychologisch.

Damit du überzeugen kannst, die Geschichte gut rüberkommt, für den Leser interessant ist, müssen die Charaktere glaubwürdig sein. Dazu musst du sie erst einmal selbst kennenlernen. Erkunde sie wie echte Menschen: Echte Menschen sind einzigartig. Sie haben viele Facetten, bewegen sich in verschiedenen Strukturen und verhalten sich nicht immer gleich.

Mache dir also Gedanken über die folgenden Aspekte:

Schreibe eine Kurzbiographie zu deinen Hauptcharakteren

Das Äussere

Mach dir Gedanken zum Aussehen: Kleidung, Alter, Geschlecht, Grösse, Körperhaltung, Gestik, besondere Merkmale.

Konzentriere dich vor allem auf Merkmale, die einen Charakter beeinflussen können: Kleidung und Frisur sagen mehr über eine Persönlichkeit als Haar- oder Augenfarbe!

Sozialer Hintergrund

Menschen haben eine Vergangenheit und eine Gegenwart. Das prägt ihre Werte und ihre Bedürfnisse.

Frag dich also:Wie und in welchem Milieu ist mein Charakter aufgewachsen? Wie lebt er heute? Welcher sozialen Schicht gehört er an? Welche Schule hat er besucht? Ist er religiös? Ist er politisch aktiv? Was ist er von Beruf? Wo wohnt er? Lebt er allein oder in einer Grossfamilie? Gehört er einem Verein an? Sind ihm Statussymbole wichtig? Was ist ihm heilig? Wie spricht er? Welche Macken hat er? Hat er Vorlieben?

Dadurch gewinnt der Charakter an Tiefe. Er wird glaubwürdig.

Ausserdem musst du dir das notwendige Hintergrundwissen verschaffen. Du kannst nicht über ein bestimmtes Umfeld schreiben, wenn du es nicht kennst.

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Besonderheiten

sind die Würze. Hat der Charakter Eigenheiten, wie: Ticks, Marotten, Phobien?Hat er schlechte Angewohnheiten, rätselhafte Züge, Hobbys, besondere Talente? Hat er ein Geheimnis?

Namen

sind durchaus nicht Schall und Rauch.

Namen charakterisieren. Der Name muss zum Charakter passen. Es ist nicht egal, ob eine verwöhnte Frau Alice, Adelheit oder Erna genannt wird.

Zu vermeiden sind auch Ähnlichkeiten: Anne, Anna, Hanna.

Auch sollten die Leser nicht verwirrt werden durch Namen mit dem gleichen Anfangsbuchstaben.

Motivation

Die Motivation, das, was den Charakter antreibt, ist der Motor einer Geschichte und bürgt für die Glaubwürdigkeit des Protagonisten. Ein Detektiv, der trotz erdrückender Beweise trotzdem an die Unschuld eines Verdächtigen glaubt, wirkt ohne eine starke Motivation irgendwann nicht mehr plausibel. Hier stellt sich auch gleich die Frage nach dem Verhältnis zwischen Detektiv und Verdächtigen.

Die Entwicklung

In jeder Geschichte entwickelt sich ein glaubwürdiger Charakter durch die Ereignisse und die Reaktionen darauf weiter.

Grishams naiver Anwalt in "Die Firma" erfährt im Laufe der Geschichte, dass er die Fähigkeit besitzt, sich in einer gefährlichen Welt zu bewegen, eine Welt, die viel gefährlicher ist, als er dachte.

Wirkungsvoll charakterisieren

Ja, irgendwann hast du deinen Steckbrief des Charakters fertg. Er enthält eine Unmenge an Details. Wenn du diese Details nun aneinander reihst, wirst du deine Leser schnell langweilen.

Ein wirkungsvoller Schlüssel ist darin zu finden, wenige, aussagekräftige Details zu finden, die einen Charakter lebendig machen.

Beispiel von Nancy Kress (SF-Autorin):

Zitat Anfang

1. John war 1,80 m gross und wog 75 kg. Er hatte hellbraunes Haar, braune Augen und schlechte Zähne. An diesem Morgen trug er Jeans, ein T-Shirt und eine hellblaue Windjacke. Miranda sah ihn an und fand, dass er nett aussah.

2. Obwohl er nicht grösser oder schwerer war als der Duchschnitt, schien John den Raum zu beherrschen. Seine braunen Augen hielten Mirandas Augen fest, und sie merkte, dass sie nicht wegsehen konnte. Sein Haar hatte diesen ungekämmten Look, den man nur mit einem guten Haarschnitt erreichen kann. Sein breites Grinsen verwirrte sie. Kein Detail war falsch - Armani-Anzug, italienische Seidenkravatte, Ferragano-Schuhe. Miranda sah ihn an und dachte: Vergiss es - der spielt in einer völlig anderen Klasse.

Zitat Ende

An diesem Beispiel lässt sich unschwer ablesen, dass konkrete Details wirkungsvoller sind, als allgemeine. Eine gute Charakterisierung ist vielmehr, als eine einfache Beschreibung: Sie sagt etwas aus über den Beschriebenen, aber auch über den, der die Beschreibung darbringt.