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DRUIDENBLUT by Alexander Rossa 1998
Erstes Kapitel
Ich rollte mit meiner alten Blechkiste über die breite Betonpiste der regennassen Autobahn.
Es war wenig Verkehr, was wohl daran lag, daß die meisten Fahrer übertrieben panisch reagieren, sobald es anfängt zu regnen. Nun kam noch hinzu, daß sich der Tag dem Ende näherte, und es bereits dunkel wurde. Ich haßte diese Fahrerei, als Abschluß eines unspektakulären Arbeitstages, sozusagen als kleiner Teilhöhepunkt meines profanen Lebens.
Ich näherte mich der neuen Raststätte und dachte mir, es könne nicht schaden, ein paar Minisalamis zu kaufen, da sich bereits ein schwaches Hungergefühl bemerkbar machte. Also bog ich von der Schnellstraße zur neuen Raststätte ab, die bereits in hellem, modernen Licht strahlte. Ich parkte meinen alten Wagen in der Nähe des Shops, bei der Reifenprüfanlage und stieg aus. Meine Beine waren müde und die Gelenke steif. Da es relativ kühl war, eilte ich zum Shop, der modern gestylt und gut sortiert war. Nur der Kassierer hatte sich nicht modernisiert. Er war fett und pickelig und beobachte mich bei meinen dünnen Einkäufen, als wollte ich den ganzen Laden ausrauben. Ich beeilte mich. Kaum hatte ich bezahlt und mein Restgeld eingesteckt, fuhr ein schöner, neuer Mercedes vor. Er hielt direkt vor dem Edelshop und eine Frau stieg aus. Doch was war dies für eine Frau? Ein blonder Engel war es, der uns hier beehrte, top gestylt, interessant gebaut und warscheinlich die Geliebte eines verheirateten Industrieschnösels. So war es bestimmt, weil es immer so war. So eine amorphe Gestalt wie ich es war, kam gewöhnlich nicht einmal in die Nähe so einer Traumfrau. Wie der Name schon sagt, ein Traum. Daher verschwendete ich auch keinen weiteren Gedanken mehr an diese frisierte Herausforderung, griff fester nach meinen Minisalamis und stolzierte, vorbei an der duftenden Schönen, zu meinem stolzlosen Gefährt. Als ich endlich wieder auf dem Fahrersitz saß, schob ich mir eine Salami zwischen die Zähne und beobachtete, aus sicherer Entfernung, die einkaufende Frau. Sie war wirklich außergewöhnlich schön und strahlte eine geheimnisvolle, nicht erklärbare Anmut aus, was wohl auch der siffige Kassierer so empfand, da man den Schweiß auf seiner Stirn glänzen sah, während er die Schöne anvisierte, ja förmlich auszog. Ich mußte plötzlich schmunzeln. Dann näherte sich ein Hubschrauber der Raststätte. Die Lichter in der Luft, kamen schnell näher. Ich überlegte, daß dies bestimmt so ein tüchtiger Helfer der Straße war und in der Nähe sicherlich ein schwerer Unfall passiert sein mußte. Das klopfende Geräusch des Rotors kam rasch näher, wurde immer lauter.
Die blonde Beauty war gerade an der Kasse des Shops angekommen, als ich mit geöffnetem Mund zusah, wie der Hubschrauber zwei große Flugkörper in unsere Richtung abschoß. Mit einer ohrenbetäubenden Detonation schlugen beide Flugkörper direkt vor dem Mercedes ein.
Die Glassplitter meiner Autofenster flogen mit lautem Getöse, getrieben von der gewaltigen Druckwelle, an meinem Kopf vorbei. Ich konnte überall schwere Metallstücke aufschlagen hören. Als ich meinen Blick wieder heben konnte, rann mir Blut in warmen Rinnsalen über das Gesicht. Dort, wo einst der Mercedes stand, war nur noch ein rauchender Krater im Boden zu sehen, umringt von vielen verbeulten Metalltrümmern. Auch die Scheiben des Edelshops waren zersplittert und viele der Zeitschriften lagen zerfetzt auf der Straße. Die Leitplanke der Autobahn war, durch die enorme Druckwelle, auf die Straße gedrückt worden, und es kam zu krachenden Auffahrunfällen. Das knirschende Geräusch der zerdrückten Autos schallte durch die Nacht und wurde nur von dem Rotorenlärm des Hubschraubers übertönt, der zur Landung angesetzt hatte. Auf den dünnen Kufen standen zwei maskierte Männer in dunklen Overalls und mit automatischen Waffen. Sie seilten sich gekonnt ab und rannten in Richtung des Shops, wo die blonde Frau gerade damit beschäftigt war, sich aus den Trümmern zu befreien. Einer der modernen Assassinen ging in die Knie und visierte die Frau mit seiner Waffe an. Man konnte deutlich den Laserzielpunkt über den Shop wandern sehen. Der andere, etwas kleinere Mann lief weiter und zielte dabei auf den, auf dem Boden liegenden Kassierer. Als der rote Laserpunkt sein Ziel erfaßt hatte, schoß er mehrfach, ohne zu zögern, aus seiner automatischen Waffe und ich mußte mitansehen, wie die Geschosse den Kassierer zurückwarfen. Dann hatte sich die Frau endlich befreit und stellte sich mutig den beiden düsteren Angreifern entgegen. Ich sah zu, wie sie ihre Augen schloß. Als der rote Laserpunkt des knienden Mannes auf der Stirn der Frau erschien, öffnete sie ihre wunderschönen Augen wieder, die nun allerdings leicht bläulich zu leuchten begannen. Die Männer waren sichtlich verwirrt und wichen etwas zurück. Dieses nutzte die Frau, um in meine Richtung zu entfliehen und die Beifahrertür meines Autos zu öffnen, um sich neben mich, auf den mit Glassplittern übersäten Sitz zu wuchten. Im gleichen Augenblick hörte ich Schüsse und spürte die derben Einschläge auftreffender Geschosse, die sich in das Blech meines Fahrzeuges bohrten. Ohne länger zu zögern drehte ich den Zündschlüssel und fuhr äußerst rasant los. In wildem Slalom durch die Trümmer steuerte ich die Ausfahrt der Raststätte an, um den weiterhin einschlagenden Geschossen zu entkommen. An meiner linken Seite bemerkte ich, daß uns der Hubschrauber im Tiefflug überholte, in der Luft rasch wendete, und sah dann, daß er sich frontal auf uns zubewegte. - Er muß abdrehen. - dachte ich mir und fuhr mit durchgedrücktem Gaspedal auf die breite Betonpiste der Schnellstraße auf. Doch der Hubschrauber hielt seinen Kurs und beschleunigte zusehends. Ich vollzog eine Vollbremsung und hoffte sehr, daß hinter uns kein Auto durch die Trümmer raste. Aus dem Fahrzeug fliehend, zerrte ich die verstörte Frau hinter mir her. Das dreiste Fluggerät flog direkt auf uns zu, und wir warfen uns notgedrungen auf den Boden. Es flog sehr knapp über uns hinweg und stürzte mit großer Geschwindigkeit auf mein eben verlassenes Auto. Wieder flogen unzählige Trümmerteile und Glassplitter durch die Luft, um auf uns niederzuprasseln. Die Druckwelle fegte heiß über uns hinweg und der Geruch von verbranntem Plastik und Treibstoff schlug in unsere Gesichter. Danach wurde es dunkel um mich herum und der stechende Schmerz ließ nach. Ich verlor das Bewußtsein.
Als ich erwachte, lag ich in einem Krankenhausbett mit weißem Bettzeug. An meinem Arm lag eine Infusion und über mir hörte ich das Piepen irgend eines Gerätes. An dem Tisch vor meinem Bett, saß ein Mann in weißem Kittel und studierte eine dünne Akte. - Hee -, sagte ich leise und der Mann schreckte hoch. Sein ernstes Gesicht bekam nun freundliche Züge, und er sprang auf. - Hallo. - , sagte er - Willkommen auf der Erde. Ich bin Dr. Martin und habe sie zusammengeflickt. Ich muß zugeben, sie hatten viel Glück gehabt, da sie außer dem Schock, nur einige Schnittverletzungen haben, die bereits gut heilen.- - Dr. Martin, wie lange liege ich hier schon?- fragte ich ihn und setzte mich stöhnend auf. - Sie sind in der letzten Nacht eingeliefert worden, mit mehreren anderen Verletzten und Schwerverletzten, die es lebendig aus diesem Autobahnchaos geschafft haben. Übrigens möchte ich ihnen nicht verheimlichen, daß sie zu diesem Thema einige Leute vom Bundeskriminalamt sprechen wollen. Die Herren vom BKA belagern schon seit Stunden den Aufenthaltsraum und ihre Zimmertür. Haben sie mit dem Chaos tatsächlich etwas zu tun?- Ich schüttelte nur genervt den Kopf und fragte Dr Martin nach der blonden Frau. Er meinte, daß er solche Frau nicht gesehen habe und ging lachend zur Tür, um zwei der Beamten, die vor der Tür warteten, hereinzurufen, und sie kamen herein. Es waren zwei Männer. Der eine Mann trug einen schwarzen Anzug von der Stange, bei dem ich sofort die Ausbeulung seiner Waffe bemerkte. Sein Kopf war kahlgeschoren und an der rechten Hand trug er einen klobigen Siegelring. Der andere Mann hatte dunkle Afrolocken und war wie ein Edeltechno gekleidet. Eine Waffe war bei ihm nicht zu erkennen. Der Edeltechno setzte sich an den Tisch und lächelte mir aufmunternd zu, während der andere sich rechts neben ihn stellte und eher etwas grimmig wirkte. Dr Martin verabschiedete sich kurz mit einem aufmunternden Winken und verließ das Zimmer.
- Wie geht es ihnen, mein Freund? - fragte der Afromann. - Ich bin nicht ihr Freund!- erwiderte ich und beschloß, mich nicht einschüchtern zu lassen. - Meister, Alex heißen Sie, glaube ich. Also Alex, was war denn da gestern los an der Tankstelle? Wer konnte da sein megastarkes Temperament nicht zügeln? - fragte er weiter. Ich beugte mich zum Nachttisch, um ein Getränk zu suchen, was ich leider nicht fand.- Kann ich etwas Trinkbares bekommen?- fragte ich, worauf der Typ mit den kurzen Haaren auf mich zu kam, mir schmerzhaft in die Wange kniff und mit knirschenden Zähnen sagte - Alex, gestern sind 38 Menschen getötet, eine Raststätte dem Erdboden gleich gemacht und ihr Auto von einem unbekannten Hubschrauber begraben worden. Da fällt ihnen nichts Besseres ein, als etwas ” Trinkbares ” zu wollen? Alex, sperren sie mal schön ihre Lauscherchen auf. Ich werde gleich ihre Backe an die Wand nageln, wenn sie nicht etwas wirklich Konstruktiveres zur Klärung des Sachverhaltes beitragen. Ist das klar? - Er ließ meine Wange los und ging langsam zurück zu dem Afro, der noch immer affig lächelte. - Da war diese Blondine, - sagte ich - auf die es diese Irren wohl abgesehen hatten. Ihre Augen leuchteten so merkwürdig blau und ... .- Der Afro stand auf, nahm den kleinen Tisch und schmiß ihn durch das Zimmer an die Tür, wo er krachend zerbrach. Nun nicht mehr lächelnd sprach er in einem verblüffend ruhigen, gefaßten Ton - Hör´ mal zu du Arsch. Die Idee mit der Tussi kommt wirklich gut, interessiert uns jedoch nur ausgesprochen wenig. Vielmehr glauben wir, daß du der bist, auf den die namenlosen Cowboys es abgesehen hatten.- Die Tür ging auf und Dr Martin kam wieder herein, mit der Bemerkung, daß dies schließlich immer noch ein Krankenhaus sei und nicht irgendeine Kneipe, in der man sich so martialisch aufführen könne. Während dieser Bemerkung jedoch, schob er seinen Kittel rasch beiseite, und es kam eine kleine Ma- schinenpistole zum Vorschein, die er, ohne zu zögern, auf die BKA-Männer anhielt und sofort abfeuerte. Ich sprang erschrocken auf und schleuderte Dr. Martin mein Kissen gegen die Pistole, die dann mit großer Wucht an die Wand prallte. Die beiden Beamten sackten sterbend in sich zusammen und Dr. Martin schlug mir mit der Faust derbe ins Gesicht. Ich stürzte zu Boden und erhielt von ihm mehrere schmerzhafte Fußtritte. Er drehte sich schließlich um, hob die Maschinenpistole auf und wechselte, während ich noch auf dem Boden kauerte, das leere Magazin, gegen ein gefülltes Magazin aus und zielte mit der Waffe anschließend auf mich. Es fielen plötzlich einige Schüsse. Ich schloß die Augen und da, Dr. Martin fiel stöhnend um. Frisches Blut verschmierte seinen Kittel.
In der Tür stand ein junger Mann, der immer noch auf Dr. Martin zielte. Er trug alte Jeans, in die er ein buntes Hawaiihemd gestopft hatte. - Komm, Alex! beeile dich! Schnell, wenn dir dein Leben lieb ist! Dieser Arsch hat ausgefurzt! - rief er mir zu und verschwand im Flur. Ich hetzte zur Tür, um ihm zu folgen und sah, wie er die Tür zum Treppenhaus öffnete. Er wartete dort auf mich und lud seine Pistole neu. Auf der anderen Seite des Flures sah ich die Tür zum Aufenthaltsraum aufgehen und begann nun richtig panisch zum Treppenhaus zu laufen und die Treppe hinunter zu stürmen. Hinter mir hörte ich die lauten Rufe der BKA-Leute und das Zufallen der Treppenhaustür. Ohne auf den Mann vor mir zu achten, der sich hier wohl gut auskannte, hetzte ich die Stufen hinunter, ohne mit noch einer Spur von Müdigkeit mehr in den Knochen. Nun waren unsere Verfolger auch im Treppenhaus und ich konnte deutlich ihre Funkgeräte hören. Der junge Mann war bereits unten angekommen und öffnete die Tür zur Empfangshalle, als ich von den ersten, schallenden Schüssen erschreckt wurde. Nun war auch ich endlich in der Empfangshalle angekommen und sah, wie auf meinen jungen Retter, mehrere Polizisten mit Maschinenpistolen und Zivilisten mit Kameras, ich nahm an, Reporter, zuhechteten. Der Mann holte einen Gegenstand aus seiner Hemdtasche, zündete diesen und warf ihn den Angreifern vor die Füße. Blitzschnell breitete sich dichter, roter Nebel in der Halle aus, so daß man kaum noch etwas erkennen konnte. Ich lief meinem Vordermann hinterher durch eine Schiebetür und war draußen, wo bereits ein Wagen mit offener Tür auf uns wartete, in den wir uns hineinhechteten. Mit durchdrehenden, quietschenden Reifen fuhren wir sehr rasant an und ließen unsere fahrzeuglosen Verfolger hinter uns.
Der Fahrer war ein junges Mädchen von vielleicht 18 Jahren mit kurzen, dunklen und sehr wirren Haaren. Sie steuerte das Auto mit einer wahnsinnigen Geschwindigkeit, aber dennoch erstaunlich sicher, durch die engen Straßen der Stadt. Trotzdem drehte sich mir der Magen um, und nach wenigen Augenblicken kotzte ich mir auf die nackten Füße.
Als wir uns einigen Lagerhallen näherten, bog sie in eine enge Gasse und hielt plötzlich quietschend an. Wir stiegen eiligst aus und liefen zu einem grünen Mercedes, der mit unverschlossenen Türen auf uns wartete. Kaum eingestiegen, zündete das Mädchen den Motor und fuhr wieder sehr zügig immer weiter die Gasse hinein.
Ich saß auf dem Beifahrersitz und sah zu, wie der junge Mann auf dem Rücksitz mehrere automatische Gewehre und Handgranaten aus dem Fußraum kramte und für den Einsatz vorbereitete. - Mein Gott! - rief ich und schaute zur Fahrerin, die sich darauf konzentrierte, den schnellen Wagen auf die befahrene Kreuzung zu manövrieren.
Wir bogen anschließend auf eine gut belebte, breite Straße ein und fuhren plötzlich und unerwartet ganz ordentlich und streng, ganz nach Straßenverkehrsordnung, in Richtung Stadtgrenze.
- Alex, nimm.- hörte ich es von hinten und sah, wie sich links an mir eine Maschinenpistole vorbeischob. Ich griff nach der Waffe und erinnerte mich an meine Militärzeit, die Zeit als gnadenloser Stoppelhopser und Erbsensuppevertilger. Diese Pistole jedoch, war mir fremd und ich versuchte gleich ihre Funktionen zu erforschen. Schon bald erkannte ich, daß dieses Modell sich nur in wenigen Punkten von den Waffen meiner Ausbildung unterschied. Es wurde mir zunehmend unwohl, als ich daran dachte, dieses Gerät möglicherweise bald gegen Menschen einsetzen zu müssen.
Wir verließen die Stadt und fuhren ohne weitere Störung auf einer Landstraße in Richtung Süden. Im Wagen herrschte Schweigen, und ich hatte den Eindruck, das Mädchen wußte genau wo es hinfahren sollte. - Ich heiße Tim. - sagte der Mann, von hinten und reichte mir die Hand, über die Schulter hinweg. Ich ergriff sie, mit den Worten: - Was hat dieses alles hier zu bedeuten? - - Alex, jetzt ist es noch nicht die Zeit für umfangreiche Erklärungen. Wir, als auch du, sind in großer Lebensgefahr. Du hast seit gestern sehr viele, nicht nette Feinde. Nun mußt du dieses erst begreifen, es akzeptieren und zusätzlich wäre es gut, daß du erkennst, daß du deine Haut um jeden Preis retten mußt. Wir haben eine gemeinsame Freundin, die es wünscht, daß du überlebst.- Fragend sah ich unsere junge Fahrerin an und sagte zu Tim - Aber ich habe doch mit diesen ganzen Dingen überhaupt nichts zu tun. Ihr müßt mich einfach mit irgend jemanden verwechseln. Ich bin doch nicht Batman. Bitte fahrt mich sofort nach Hause, damit ich alles aufklären kann.- - Alex, wir fahren dich gerne nach Hause. Doch komme bitte erst einmal mit uns, damit wir dich wenigstens etwas darauf vorbereiten können, was dich dort wahrscheinlich erwarten wird.- erklärte sich Tim und wies das Mädchen an, sich noch mehr zu beeilen.
Wir fuhren an mehreren Autobahnausfahrten vorbei und blieben auf der Landstraße. Tim meinte, daß es nichts Unsichereres geben würde, als Bundesautobahnen. Daraufhin konnte ich mir ein breites Grinsen einfach nicht verkneifen, weil ich an die Raststätte denken mußte.
Nach etwa einer Stunde bogen wir auf einen breiten Feldweg ein, der uns zu einem Waldrand führte. Wir hielten direkt am Wald an und stiegen aus. Tim sammelte flugs, einige große Zweige zusammen und tarnte damit das Auto. Das Mädchen holte aus dem Kofferraum, mehrere Abdeckungen für die Spiegel und Fenster, um vor Spiegelungen zu schützen. Nach kurzer Zeit war von dem Auto nichts mehr zu sehen, und wir schlugen uns in das dichte Nadelholzdickicht.
Zügig, aber dennoch zielbewußt, schritten wir voran, so daß ich davon ausging, daß Tim den Weg sehr genau kannte. Die Luft wurde zunehmend kühl und feucht und in der Ferne hörte man einen Eichelhäher schreien. Die Dämmerung brach unerwartet ein. Nach einiger Zeit blieben wir stehen und es schien, als warteten wir auf irgend etwas. Ich setzt mich auf einen Baumstumpf und beobachtete Tim, der sich nervös umschaute. - Gleich muß es soweit sein. - sagte er zu dem Mädchen, das darauf nur gleichgültig nickte.
Plötzlich spürte ich, wie sich der alte Baumstumpf unter mir, zu bewegen begann.
Erschreckt aufspringend sah ich, wie der Baumstumpf, auf dem ich gesessen hatte, nach oben geklappt wurde und sich eine dunkle Öffnung auftat. Ein Mann, so Mitte 30, mit rußgeschwärztem Gesicht, tauchte aus dem Loch auf. Er war augenscheinlich unbewaffnet und ging auf Tim zu. Beide flüsterten etwas und sahen ständig zu mir. Nun kam der schwarz getarnte Mann auf mich zu und ich konnte einzelne Gesichtszüge erkennen. Er hatte ein hartes, kantiges Gesicht und einen messerscharfen Blick, so daß es mir sehr unwohl wurde. Leise, aber bestimmt, sagte er- Alex, also...hähä - Er betrachtete mich von oben nach unten und sagte dann - Da hast du gestern aber viel Glück gehabt, Alex.- Dabei meinte ich ein leichtes Lächeln in seinem schmutzigen Gesicht zu erkennen. - Kommt jetzt alle mal mit.- sagte er und ver- schwand wieder in diesem ungemütlich wirkendem Erdloch. Wir folgten ihm in den erdigen Gang, in dem alle paar Meter Haftladungen an den lehmigen Wänden angebracht waren, die mit ihrer roten LED blinkten und Hektik verbreiteten.
Nach etwa 200 Metern schräg abwärts, wurde der enge Gang breiter und die Wände massiver.
Tim schaltete nun seine Taschenlampe aus, und wir standen im Dunkeln. Nach einer Weile wurde es wieder heller und ich stellte fest, mit dem merkwürdigen Mann alleine zu sein. Er trug eine Lampe, die mit Karbid und Wasser brannte, wohl das Zweckmäßigste in dieser Umgebung.
- Nun wird es interessant.- sagte der Mann und wies mich an, ihm weiter zu folgen. Wir begaben uns recht schnellen Schrittes immer tiefer in die Erde hinein, und von der Decke hingen dünne Tropfsteine herab. Stellenweise wanderten wir über einen Rasen funkelnder Salzkristalle, die schon durch die leisesten Berührungen in sich zusammenfielen. Hier unten war die Luftfeuchtigkeit sehr hoch.
Nach einiger Zeit der Anstrengung trafen wir auf eine Art Kreuzung, an der wir kurz pausierten. Doch dann sah ich mehrere rote Laserpunkte auf meinem Oberkörper erscheinen und schrie erschrocken auf. Aus der Dunkelheit, der linken und der rechten Seite, tauchten mehrere schwarz gekleidete Gestalten, bewaffnet mit automatischen Gewehren, auf. Sie hatten Infrarotbrillen aufgesetzt, die sie jedoch sofort abnahmen, als sie den merkwürdigen Mann vor mir zu erkennen schienen. - Sascha, du bist es! - rief eine der Gestalten. Ich erkannte dann, daß es vier junge Leute waren, drei Männer und eine Frau, die nun breit lachend auf uns zukamen. Ihre Zähne leuchteten im schwachen Licht. - Wer bist du denn? - fragte die junge, kämpferisch wirkende Frau. - Das ist Alex, der Mann von der Raststätte. - sagte Sascha. - Alex, du mußt müde sein und hungrig, denke ich.- sagte die Frau und blickte die vier Männer fordernd an.
Die Männer nickten und gingen daraufhin in den rechten, dunklen Gang und entzündeten weitere Karbidlampen, die den Gang in ein schattenreiches, unheimliches Licht tauchten.
Sascha ging mit einem der Männer, in einem Abstand von etwa 10 Metern, vor. Neben mir ging das Mädchen und den Schluß bildeten die restlichen Männer, um unseren Rücken, gegen mögliche Gefahren, zu sichern. Allmählich verlor ich die Orientierung und wußte nicht mehr in welche Richtung wir liefen. Wir folgten immer nur dem vorderen Lichtschein und mußten uns auf den unebenen, feuchten Boden konzentrieren, um nicht zu auszurutschen und zu stürzen.
Nach etwa einer Stunde, kamen wir in eine Felsenhalle, die wahrscheinlich von Bergleuten, vor etlichen Jahrzehnten, hier angelegt wurde und blieben neben Sascha und dem anderen Mann stehen.
Auf dem Boden der Halle, waren viele Kisten aufgetürmt und verschiedene Zelte aufgestellt.
Vereinzelt konnte ich Gewehre erkennen, die zu Pyramiden aufgestellt wurden. Jedoch von Menschen war hier nichts zu entdecken. Sascha holte ein kleines Gerät aus seiner Hosentasche
und gab irgend eine Zahl ein. Kurze Zeit später öffnete sich eine Klappe im Hallenboden und der feine Sand rieselte, an den Seiten der Klappe, hinunter. Es erschienen zuerst nur zwei schwerbe- waffnete Männer, die uns sofort ins Visier nahmen. Plötzlich hörte ich eine Stimme von hinten, die uns anwies, die Waffen niederzulegen und endlich zum Essen zu kommen, das schon fertig auf uns warten würde.
Ich drehte mich um und sah einen grinsenden Mann mit Vollbart, der mit einladender Geste auf uns zu kam. Hinter ihm erschienen weitere bewaffnete Frauen und Männer, aus ihren Felsenverstecken und begrüßten uns freudig. Zwei Frauen und zwei Männer, mit Infrarotbrillen, bekamen den Auftrag, die Gänge wieder zu sichern und verschwanden sogleich in der tiefen Dunkelheit der Stollen.
Wir gingen in eines der Zelte, in dem schon ein reich gedeckter Tisch auf uns wartete. Mit den kleinen Karbidlämpchen, in der Mitte des Tisches, wirkte alles plötzlich erstaunlich gemütlich, wenn man bedachte, daß wir uns viele Meter unter der Erdoberfläche bewegten.
Wir ließen uns die vielen verschiedenen Konserven, den Zwieback und die zwei Eintöpfe, zu Dosenbier und Wein aus dem Tetrapack, sehr schmecken. Gesprochen wurde nicht viel, nur hin und wieder streiften mich musternde Blicke, bis zu dem Augenblick, als Tim und unsere junge Fahrerin in das Zelt stiegen. - Hei, alle zusammen. Sascha, ich muß dich unbedingt sprechen und bringe auch Alex mit. - sagte er und verließ wieder das Zelt. Das Mädchen nahm am Tisch Platz und fischte sich eine Dose Bier aus dem Korb, während Sascha und ich aufstanden, um Tim zu folgen. - Sascha, ich glaube, wir sind nicht mehr lange sicher in diesem Stollen. Das BKA hat viele Suchtrupps zusammengestellt, die systematisch die gesamte Umgebung absuchen sollen. Hinzu- gezogen werden wohl auch Hubschrauber, die mit ganz neuen Wärmesuchgeräten ausgestattet worden sind, die unseren warmen Fahrzeugmotor sofort lokalisieren, sobald wir uns nur rühren. Auch wird der Druck ausländischer Geheimdienste stets größer. Seit der Tankstellengeschichte, haben wir sicher CIA und Mossad ebenfalls am Bein, die bekanntlich immer bekommen, was sie wollen. Hast du zwischenzeitlich etwas von Patricia gehört, Sascha?- fragte Tim. Sascha sah mich an und sagte- Nein, Alex war wohl der Letzte, der Patricia gesehen hat. Aber ich werde veranlassen, daß wir in 5 Stunden aufbrechen und uns erst einmal zerstreuen. Du Tim, Alex, Mira und ich werden bereits in 4 Stunden aufbrechen, um nach Patricia zu suchen. - - Und wenn ich nicht will?- fragte ich in den Raum.- Dann wirst du sicherlich nicht mehr lange leben, Alex - sagte eine helle Stimme hinter mir, und als ich mich umdrehte, sah ich die junge Fahrerin aus dem Zelt kommen.- Übrigens, ich bin Mira - sagte sie lächelnd und grüßte mich mit einem kurzen Winken. - Auch ist kein Ort sicherer, als der bei Patricia - sagte Sascha. - Jedoch gibt es auch keinen gefährlicheren Platz.- murmelte Tim schmunzelnd. - Es wäre nun wohl das Klügste, wenn wir noch etwas schlafen. Die nächste Zeit wird bestimmt kein Urlaub - gab Sascha zu bedenken und machte sich auf, zu einem Stapel aufgerollter Schlafsäcke zu gehen. Auch Tim verabschiedete sich, um den anderen Bewohnern im Lager, die neue Order zu erteilen.
Alexander Rossa
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